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BlognTalk: Sachbuchautor Frank Behrendt im Interview

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Am Stand von Random House auf der Frankfurter Buchmesse war am Freitagnachmittag viel los: Zahlreiche Blogger sind der Einladung zum „BlognTalk“ gefolgt, um sich auszutauschen und auf Autoren zu treffen. Ich war eingeladen, Sachbuchautor Frank Behrendt zu interviewen, der im September sein Buch „Liebe dein Leben und nicht deinen Job“ veröffentlicht hat. Grundlage für den Ratgeber waren 10 Ratschläge für ein glückliches Leben, die er 2015 im Magazin „Clap“ vorgestellt hatte. Darin erklärte der erfolgreiche PR-Manager sein Grundprinzip zum vielbemühten Thema Work-Life-Balance mit einer Botschaft, die ihn in Zeitungen und Zeitschriften wie Bild, Stern und Spiegel gebracht hat. Er empfiehlt: Den Job nicht ernster nehmen als das Privatleben. Klingt ziemlich einfach. Dass seine Ratschläge in der Arbeitswelt so gefeiert werden, legt allerdings nah, dass es für viele Menschen doch nicht ganz so leicht ist, Privatleben und Karriere voneinander abzugrenzen.

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„Liebe dein Leben und nicht deinen Job“ erschien am 12. September 2016

Frage: Lieben Sie Ihren Job?

Frank Behrendt: Nein, man kann seinen Job nicht lieben.  Menschen, Freunde und Familie kann man lieben, aber nicht seine Arbeit. Ich mache meine Arbeit natürlich gern und der Titel meines Buches ist auch mit Absicht etwas provokant formuliert. Man sollte seinen Job nicht hassen, aber man sollte immer sein Privatleben an erste Stelle setzen. Denn das Leben dauert länger als ein Job. Wo man sich zwischen Geld und Liebe entscheiden muss, leiden Menschen und das gilt es, zu verhindern. Für mich ist die Familie das Allerwichtigste. Wenn ich Feierabend habe, bin ich für sie da. Endlose Überstunden, Abendessen mit Kunden und ständige Erreichbarkeit gibt es bei mir nicht.

Frage: Aber was, wenn der Chef größeres Pensum verlangt? Wenn im Unternehmen viel zu tun ist?

Frank Behrendt: Der Schlüssel ist das Wort ‚Nein‘. Das musste ich erst lernen, aber man muss klare Grenzen ziehen. Wenn mein Kunde auf den letzten Drücker ’schnell‘ einen Auftrag durchbringen will, muss ich ihm auch sagen, wo meine Möglichkeiten liegen. Und als Arbeitnehmer muss man auch dem Chef klare Kante zeigen, wenn er zu viel verlangt.

Frage: Nicht alle Arbeitgeber und Vorgesetzte können ein ‚Nein‘ akzeptieren.

Frank Behrendt: Das ist richtig. Aber da dürfen die Menschen eines nicht vergessen: Die schärfste Waffe eines Arbeitnehmers ist die Kündigung. Bist du unglücklich? Kündige!  Viele haben Angst davor, Entscheidungen zu treffen. Aber die will ich ihnen nehmen.

Frage: Wie bewerten sie dann die Entwicklung zum „Home Office“?

Frank Behrendt: Großartig! Es ist eine Frage der Haltung und der Konsequenz das richtig zu machen. So lange das Pensum am Ende stimmt und man sich feste Zeiten dafür einrichtet, ist das gut. Ich kann so zum Beispiel zum Training meiner Kinder fahren und ihnen beim Tanzen oder Fußballspielen zusehen, während ich arbeite. Herrlich! Für mich ist das ein Modell, das wir in der Zukunft hoffentlich noch viel häufiger erleben.

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Autor Frank Behrendt im Gespräch: Gut gelaunt und offen für jede Frage

Frage: In ihrem Buch geht es darum, glücklich zu sein und sein Leben zu genießen. Was bedeutet für Sie Glück?

Frank Behrendt: Zeit mit meiner Familie. Ein Ausflug an den See, ein Spieleabend oder einfach nur gemeinsam den Tag verbringen. Dabei muss das Handy ausgeschaltet sein. Denn das machen viele falsch: Wichtig ist es, sich ‚analog‘ miteinander zu beschäftigen. Keine Bildschirme, keine Smartphones.

Frage: Wie sind sie zu den Erkenntnissen gekommen, die Sie in ihrem Buch verarbeitet haben?

Frank Behrendt: Ich bin natürlich nicht als Guru auf die Welt gekommen. Meine erste Ehe ist gescheitert, weil ich zu viel gearbeitet habe. Ich hatte einen Punkt erreicht, an dem ich mit einem Freund auf einer Almwiese gesessen habe und er mich gefragt hat, was mir im Leben wichtig ist und was ich erreichen will. Ich konnte das nicht richtig beantworten. Mittlerweile sage ich mir: Nie wieder! Jetzt sind meine Frau und meine Kinder das wichtigste im Leben und kein Job der Welt wird jemals die Bedeutung für mich haben, die sie haben. Ich bin glücklich und meine Mitarbeiter haben mich noch nie schlecht gelaunt erlebt.

 

Weiterlesen:

Bloggerin Dagmar von daggis-welt.de hat ebenfalls ein interessantes Gespräch mit Frank Behrendt geführt und ihre Eindrücke vom BlognTalk in einem Beitrag geteilt.