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Beiträge mit Schlagwort ‘open-source’

Ins Netz gegangen: KleineAnfragen.de

Womit verbringt ihr die Zeit auf eurem Arbeitsweg? Lesen? Schlafen? Handyspiele? Ich habe vor kurzem Maximilian kennengelernt, der seine Zeit auf dem Weg zur Arbeit damit verbracht hat, eine Internet-Seite zu programmieren. Am 4. Dezember 2015 ging sie still und heimlich online und der Grund, warum ich einen Blogbeitrag darüber schreibe, ist einfach: Dieses Projekt hat viel mehr Aufmerksamkeit verdient.

kleineAnfragen.de

Worum geht es auf der Seite?

Es geht um die Homepage kleineAnfragen.de, hinter der sich ein kostenloser und freier Service für uns alle verbirgt. Bei den betreffenden „Kleinen Anfragen“ handelt es sich um die Fragen, die Parlamentsabgeordnete ihrer Landesregierung stellen dürfen und als Antwort auf ihre Frage Informationen zum betreffenden Thema erhalten. Diese Informationen sind theoretisch öffentlich zugänglich, versacken aber als PDF Dateien in den separaten Parlamentsdokumentationssystemen der einzelnen Länder und sind durch URLs, die ihre Gültigkeit nach Schließen des Browsers verlieren, nicht verlinkbar. Transparenz ist anders.

Was kann die Seite?

KleineAnfragen.de macht drei Dinge:

  1. Die einzelnen Parlamentsdokumentationssysteme werden auf einer Seite integriert
  2. Die Dokumente bekommen einen statischen Link, der z.B in sozialen Netzwerken geteilt werden kann
  3. Die PDFs werden durchsuchbar und können nach bestimmten Themen gefunden und aufgerufen werden

Warum ist die Seite so wichtig?

Wissen ist Macht. Die Fragen der Abgeordneten sind oft auch relevant für uns, während die Antworten wichtige Fakten enthalten, an die wir sonst nur durch die Medien gelangen. Informationen und Daten zu aktuellen Problemen in Deutschland können wir durch kleineAnfragen.de aus erster Hand abrufen und ähnliche Anfragen von Abgeordneten unterschiedlicher Bundesländer vergleichen. Im beruflichen Bereich können Journalisten das Tool nutzen, um für Artikel zu recherchieren.

Fazit

Maximilian hat in seiner Freizeit ein tolles Projekt aus dem Boden gestampft. Vielleicht bin ich da etwas euphorisch, aber ich finde die Seite wichtig für mehr Transparenz in unserem demokratischen System. Politische Sachverhalte sind durch eine schwierige Informationslage für Privatpersonen oft schwer zu durchschauen, während die Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit der unterschiedlich sorgfältig recherchierten Medienberichte oft mit Vorsicht zu genießen sind. Die Antworten auf die Kleinen Anfragen unserer Abgeordneten liefern uns eine Grundlage zur eigenen Meinungsbildung und Recherche. Zu den begeisterten Unterstützern des Projekt gehören die Open Knowledge Foundation Deutschland und die Münchner IT-Firma headissue, die Maximilian bei der Arbeit unterstützt haben.
Für diese Seite solltet ihr euch auf alle Fälle ein Lesezeichen im Browser setzen. Was haltet ihr von der Homepage?

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Worum geht’s beim „Heartbleed Bug“?

heartbleed

Das offizielle Logo des Heartbleed Bug.

Das Bekanntwerden des „Heartbleed Bug“ schlägt im Moment hohe Wellen. Es geht um eine massive Sicherheitslücke, durch die Passwörter und sensible Daten ausgelesen werden können. Das betroffene Programm heißt „OpenSSL“, eine Software die zur verschlüsselten Datenübertragung im Internet auf rund zwei Dritteln aller Server eingesetzt wird. Wer nicht in der Materie steht oder vom Informatik-Prof auf dem Laufenden gehalten wurde, an dem dürfte die eigentliche Aufregung jedoch völlig vorbeigegangen sein. Wären die Yahoo-Mailaccounts von zwei meiner Freunde nicht gehackt worden, hätte es mich wohl auch nicht besonders interessiert. Hier steht aber nicht nur ein Programmierfehler in einer Software zur Debatte, die auf zahlreichen Plattformen zum Einsatz kommt und so Unternehmen und Endnutzer auf der ganzen Welt betrifft. Hier geht es um mehr.

Im Fokus steht auch das Konzept der „Open Source“-Entwicklung von Software, bei der eine internationale Community von Programmierern oft unentgeltlich Software entwickelt. Das kostenlose Schreibprogramm „Libre Office“, aber auch die Linux-Betriebssysteme sind beispielsweise Open Source, bei denen Entwickler rund um den Globus in ihrer freien Zeit an den Codes schreiben. Das Ziel: Software für Endverbraucher leicht verfügbar zu machen und ihnen die Kontrolle über das Programm zu ermöglichen. Eine gute Idee, die derzeit jedoch in der Kritik steht.
In diesem Artikel bringt Autor Wayne Rash die Ursache des Heartbleed Bugs bei OpenSSL auf den Punkt: „It was a coding error, pure and simple. It wasn’t caught because there are only a handful of people in the entire world working, for free, to develop OpenSSL.“ Ausführliche Tests und ein fokussiertes Entwickler-Team, das sich rund um die Uhr mit der Programmierung von Software beschäftigt, kostet viel Geld. Manche Open-Source-Projekte werden zum Teil aus Spenden finanziert. Das Auffällige in diesem Fall ist laut Rash, das die Banken, Plattformen und Shops, die OpenSSL genutzt haben, keinerlei Geld zu dessen Entwicklung beigesteuert haben.

Ob der Heartbleed Bug nun für eine Negativ-Kampagne gegen Open Source ausgewalzt wird, oder die richtigen Konsequenzen gezogen werden und mehr Spenden auch von Seiten der nutznießenden Unternehmen fließen werden, bleibt abzuwarten.

Der Heartbleed Bug wirft aber auch viele Fragen auf. Verschwörungstheoretiker reiben sich jetzt die Hände, dass der Bug zeitlich mit dem Auslaufen des Supports für Windows XP zusammenfällt und wittern darin eine Schmutz-Kampagne gegen freie Software und für die Sicherung der Marktanteile. Warum wurde dieser Bug erst so spät nach seiner eigentlichen Entdeckung publik gemacht und wie lange ist er tatsächlich bekannt? Die Firma „Codenomicon“  hat den Bug entdeckt und die Öffentlichkeit benachrichtigt. Bevor die Aufrufe zur Änderung der Passwörter an die Nutzer und die Prüfungen der großen Internet-Riesen starteten, wurde allerdings erst noch ein hübsches Logo entworfen und die Homepage heartbleed.com ins Leben gerufen. Das Sicherheitsleck in der Serverkommunikation konnte in der Zwischenzeit von allen, die die Fähigkeit besaßen es zu entdecken, auch genutzt werden.