Bücher, Netzwelt und Stimmen in meinem Kopf

Beiträge mit Schlagwort ‘fbm’

Das waren meine Highlights der #fbm16

Der Koffer ist ausgepackt, die Bilder sortiert und die Eindrücke verarbeitet: Die Frankfurter Buchmesse war für mich dieses Jahr wieder ein großes Erlebnis. In Vorbereitung auf die aufregenden Tage hatte ich mir die Literatur des Ehrengasts Flandern und Niederlande ganz genau angesehen und in einem Beitrag Buchempfehlungen gegeben.

Alte Bekannte treffen, Blogger kennenlernen und neue Erfahrungen machen: Das ist für mich die größte Freude, wenn ich durch die Hallen bummele. Ich lade euch ein, mit mir über die Blogs der lieben Menschen zu wandern, die für mich die Messe zu einem Erlebnis gemacht haben:

Ich habe mich über ein Wiedersehen gefreut mit…

Und es war schön, euch endlich kennenzulernen…

Das Veranstaltungsangebot der Frankfurter Buchmesse war vollgepackt mit Lesungen, Vorträgen und Diskussionen. Zuverlässige Anlaufstelle für tolle Events war der  Orbanism Space. Die Fotoaktion der Buchentdecker und der Fotobulli aus Flandern haben den Austausch in den Sozialen Medien etwas bunter gemacht und witzige Schnappschüsse entstehen lassen. Im Lesezelt in der Agora der Messe gab es ein durchgängiges Programm mit bekannten Autoren. Die Fantasy-Runde mit Ivo Pala, Markus Heitz und Julia Lange war für mich einer der schönsten Programmpunkte der Messe.

Ein Highlight war aber auch das Bloggertreffen #BlognTalk, das vom Bloggerportal von Random House ausgerichtet wurde und in dessen Rahmen ich den Sachbuchautor und PR-Manager Frank Behrendt kennengelernt habe. Das entstandene Interview könnt ihr hier nachlesen.

Die dazugehörigen Partys der Messe habe ich dieses Jahr nicht ganz so exzessiv in Anspruch genommen. Die „Hanser Nacht“ habe ich mir allerdings nicht entgehen lassen, tolle Gespräche mit ehemaligen Kollegen, mit Freunden und Bloggern geführt und berühmte Autoren bestaunt. Die Party der Jungen Verlage habe ich diesmal ausfallen lassen und stattdessen in einer Frankfurter „Äppelwoiwirtschaft“ die Messe kulinarisch und alkoholisch ausklingen lassen.

Es gibt noch viele Menschen, die ich gern gesehen hätte und einige Veranstaltungen, die ich leider verpasst habe. Ich freue mich schon auf die nächste Messe und werde gespannt sein, wen ich da alles kennenlernen werde!

BlognTalk: Sachbuchautor Frank Behrendt im Interview

20161025_214146.jpg

Am Stand von Random House auf der Frankfurter Buchmesse war am Freitagnachmittag viel los: Zahlreiche Blogger sind der Einladung zum „BlognTalk“ gefolgt, um sich auszutauschen und auf Autoren zu treffen. Ich war eingeladen, Sachbuchautor Frank Behrendt zu interviewen, der im September sein Buch „Liebe dein Leben und nicht deinen Job“ veröffentlicht hat. Grundlage für den Ratgeber waren 10 Ratschläge für ein glückliches Leben, die er 2015 im Magazin „Clap“ vorgestellt hatte. Darin erklärte der erfolgreiche PR-Manager sein Grundprinzip zum vielbemühten Thema Work-Life-Balance mit einer Botschaft, die ihn in Zeitungen und Zeitschriften wie Bild, Stern und Spiegel gebracht hat. Er empfiehlt: Den Job nicht ernster nehmen als das Privatleben. Klingt ziemlich einfach. Dass seine Ratschläge in der Arbeitswelt so gefeiert werden, legt allerdings nah, dass es für viele Menschen doch nicht ganz so leicht ist, Privatleben und Karriere voneinander abzugrenzen.

20161025_214000.jpg

„Liebe dein Leben und nicht deinen Job“ erschien am 12. September 2016

Frage: Lieben Sie Ihren Job?

Frank Behrendt: Nein, man kann seinen Job nicht lieben.  Menschen, Freunde und Familie kann man lieben, aber nicht seine Arbeit. Ich mache meine Arbeit natürlich gern und der Titel meines Buches ist auch mit Absicht etwas provokant formuliert. Man sollte seinen Job nicht hassen, aber man sollte immer sein Privatleben an erste Stelle setzen. Denn das Leben dauert länger als ein Job. Wo man sich zwischen Geld und Liebe entscheiden muss, leiden Menschen und das gilt es, zu verhindern. Für mich ist die Familie das Allerwichtigste. Wenn ich Feierabend habe, bin ich für sie da. Endlose Überstunden, Abendessen mit Kunden und ständige Erreichbarkeit gibt es bei mir nicht.

Frage: Aber was, wenn der Chef größeres Pensum verlangt? Wenn im Unternehmen viel zu tun ist?

Frank Behrendt: Der Schlüssel ist das Wort ‚Nein‘. Das musste ich erst lernen, aber man muss klare Grenzen ziehen. Wenn mein Kunde auf den letzten Drücker ’schnell‘ einen Auftrag durchbringen will, muss ich ihm auch sagen, wo meine Möglichkeiten liegen. Und als Arbeitnehmer muss man auch dem Chef klare Kante zeigen, wenn er zu viel verlangt.

Frage: Nicht alle Arbeitgeber und Vorgesetzte können ein ‚Nein‘ akzeptieren.

Frank Behrendt: Das ist richtig. Aber da dürfen die Menschen eines nicht vergessen: Die schärfste Waffe eines Arbeitnehmers ist die Kündigung. Bist du unglücklich? Kündige!  Viele haben Angst davor, Entscheidungen zu treffen. Aber die will ich ihnen nehmen.

Frage: Wie bewerten sie dann die Entwicklung zum „Home Office“?

Frank Behrendt: Großartig! Es ist eine Frage der Haltung und der Konsequenz das richtig zu machen. So lange das Pensum am Ende stimmt und man sich feste Zeiten dafür einrichtet, ist das gut. Ich kann so zum Beispiel zum Training meiner Kinder fahren und ihnen beim Tanzen oder Fußballspielen zusehen, während ich arbeite. Herrlich! Für mich ist das ein Modell, das wir in der Zukunft hoffentlich noch viel häufiger erleben.

20161025_214114.jpg

Autor Frank Behrendt im Gespräch: Gut gelaunt und offen für jede Frage

Frage: In ihrem Buch geht es darum, glücklich zu sein und sein Leben zu genießen. Was bedeutet für Sie Glück?

Frank Behrendt: Zeit mit meiner Familie. Ein Ausflug an den See, ein Spieleabend oder einfach nur gemeinsam den Tag verbringen. Dabei muss das Handy ausgeschaltet sein. Denn das machen viele falsch: Wichtig ist es, sich ‚analog‘ miteinander zu beschäftigen. Keine Bildschirme, keine Smartphones.

Frage: Wie sind sie zu den Erkenntnissen gekommen, die Sie in ihrem Buch verarbeitet haben?

Frank Behrendt: Ich bin natürlich nicht als Guru auf die Welt gekommen. Meine erste Ehe ist gescheitert, weil ich zu viel gearbeitet habe. Ich hatte einen Punkt erreicht, an dem ich mit einem Freund auf einer Almwiese gesessen habe und er mich gefragt hat, was mir im Leben wichtig ist und was ich erreichen will. Ich konnte das nicht richtig beantworten. Mittlerweile sage ich mir: Nie wieder! Jetzt sind meine Frau und meine Kinder das wichtigste im Leben und kein Job der Welt wird jemals die Bedeutung für mich haben, die sie haben. Ich bin glücklich und meine Mitarbeiter haben mich noch nie schlecht gelaunt erlebt.

 

Weiterlesen:

Bloggerin Dagmar von daggis-welt.de hat ebenfalls ein interessantes Gespräch mit Frank Behrendt geführt und ihre Eindrücke vom BlognTalk in einem Beitrag geteilt.

#FBM16 – Dit is wat we delen: Starke Autorinnen und lesenswerte Bücher

Die Frankfurter Buchmesse ist mit der Auswahl ihres Ehrengastes immer eine tolle Gelegenheit, aktuelle Literatur von fremden Buchmärkten zu erkunden und dabei Geschichten anderer Kulturen zu entdecken. 2016 teilen sich Flandern und Niederlande die Ehre als Gastland der Frankfurter Buchmesse. Deren Motto lautet treffend „Dit is wat we delen“ (dt. = Das ist was wir teilen), denn Flandern im nördlichen Belgien teilt sich mit seinem Nachbarn die niederländische Sprache. Mit Deutschland und dem Rest von Europa teilen sie aber auch die Spuren der historischen Ereignisse, die gemeinsam verarbeitet werden. Die diesjährigen Neuerscheinungen und Neuauflagen spiegeln die Themenvielfalt, die die Ehrengäste Niederlande und Flandern mitbringen, wider.

Welche Neuentdeckungen können Leser in der großen Auswahl an Novitäten machen? Bei LovelyBooks  habe ich eine Liste anlegen dürfen, in der es zahlreiche Vorschläge gibt, über die ihr abstimmen könnt. Niederländische Autoren wie Harry Mulisch, Maarten ’t Hart und Cees Nooteboom gehören zur Weltliteratur und dürfen in keiner Aufzählung fehlen. Für die Buchmesse habe ich mir drei Neuerscheinungen ganz genau angeschaut und festgestellt: Es gibt neben diesen ehrwürdigen Herren auch großartige Literatur von ihren weiblichen Kollegen.

„Wäre mein Klavier doch ein Pferd“ ist bei editionfünf erschienen und enthält 15 Erzählungen aus den Niederlanden. Das Buch wurde ausschließlich mit Texten von Autorinnen zusammengestellt und ist ein literarischer Querschnitt, der unterschiedliche Themen und Zeiten darstellt. Die älteste Geschichte stammt aus dem Jahr 1956, die jüngste Geschichte wurde 2013 veröffentlicht. wp-1475748556378.jpg
Im hinteren Teil des Buches wurden kurze Biografien der Schriftstellerinnen und Übersetzerinnen eingefügt, sodass der Leser die Erzählungen bei Bedarf besser einordnen und den Hintergrund der Handlung nachvollziehen kann. Denn neben Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg oder die Zeit danach, werden von anderen Autorinnen die Erfahrungen von Einwanderern aus den niederländischen Kolonien verarbeitet. Und auf einmal ist es passiert: Aus den kleinen Niederlanden wird vor den Augen des Lesers eine Verbindung von Schicksalen von Menschen aus der ganzen Welt. In diesem grünen Buch verstecken sich kraftvolle Momentaufnahmen von talentierten Autorinnen, die sich lohnen, gelesen zu werden!

„Boy“ von Wytske Versteeg  ist als deutsche Erstausgabe im Wagenbach Verlag in einer Taschenbuchreihe mit niederländischen Autoren erschienen. Der Roman erzählt von einer Mutter, deren adoptierter Sohn namens Boy gestorben ist. Die Ermittlungen der Polizei werden nach Hinweisen auf Selbstmord rasch eingestellt, doch seine Mutter kann sich damit nicht abfinden. Warum musste er sterben? Wer trägt die Schuld an der Tragödie? Sie stellt ihre Fragen Boys Mitschülern, seinen Lehrern und vor allem – sich selbst. wp-1475748562716.jpg
Sie konnte ihren Sohn mit afrikanischen Wurzeln nicht davor bewahren, von anderen ausgegrenzt zu werden und nicht helfen, sich selbst zu akzeptieren. In Rückblenden wird das komplizierte Verhältnis der unsicheren Mutter zu ihrem fremden Sohn rekonstruiert, während sie sich auf die Suche zu der einzigen Person macht, die ihre Fragen beantworten kann.
„Boy“ ist eine Geschichte von Trauer, Selbsthass, Schuld und Verantwortung. Wytske Versteeg erzählt ohne viel direkte Rede, als aufmerksame Beobachterin. Der Roman liest sich wie das düstere Tagebuch der wütenden Mutter, die keine Ruhe finden kann. Es ist ein kraftvolles Buch, das durch  seine ernste Geschichte mitreißend und berührend war.

„Ein Brautkleid aus Warschau“ ist das Romandebüt der Schriftstellerin Lot Vekemans. Die unspektakuläre, aber einfühlsame Geschichte dreht sich um das Schicksal der Polin Marlena, deren Leben durch die Beziehungen mit drei Männern maßgeblich beeinflusst wird.
Ein Amerikaner, ein Niederländer und ein Pole hinterlassen nacheinander ihre Spuren in Marlenas Biografie. Lot Vekemans erzählt melancholisch und klug von Liebe, der immer wieder das Leben dazwischen kommt. Das große Glück will sich bei keinem der handelnden Personen so richtig einstellen. Doch alle versuchen weiter, ihren Platz zu finden. „Meine Mutter hat immer gesagt, ein Mensch sei dafür geschaffen, weiterzumachen. Nicht, um sich umzuschauen“, heißt es am Ende.

wp-1475748575353.jpg

Mit diesen drei Büchern fühle ich mich nun bestens vorbereitet auf die Frankfurter Buchmesse und ihren Ehrengast. Habt ihr euch schon in die Literatur aus den Niederlanden und Flandern hineingelesen? Welche Bücher habt ihr neu entdeckt? Ich freue mich schon, einige von euch auf der Messe zu treffen!