Bücher, Netzwelt und Stimmen in meinem Kopf

Archiv für die Kategorie ‘Netzwelt’

Rezension: Programmieren lernen – Bücher für Anfänger

Habt ihr für 2016 gute Vorsätze gefasst? Zum Jahresende empfehle ich euch mit meinem letzten Blogbeitrag des Jahres in dieser Rezension nicht nur Bücher, sondern auch gleich den dazugehörigen guten Vorsatz für das neue Jahr: Lernt Programmieren! Es ist nicht nur sinnvoll, ein paar digitale Grundkenntnisse zu erwerben, sondern kann auch noch prima vom heimischen Sofa aus gelingen. Ich habe mir zwei Bücher angeschaut, die sich eigentlich an Kinder und Jugendliche richten, aber egentlich allen absoluten Anfängern einen motivierenden Einstieg bieten. Ich studiere Informatik im Nebenfach und weiß, welche Stolpersteine angehende Programmierer frustrieren können. Aber ich kann euch Mut machen: Mit diesen beiden Büchern könnt ihr ganz einfach in das Thema Computer einsteigen und euch neue Ideen holen.

Guter Vorsatz: Programmieren lernen

„Programmieren supereasy“ ist im Verlag Dorling Kindersley erschienen und für Kinder ab 10 Jahren empfohlen. Das großformatige Sachbuch erklärt mit vielen bunten Bildern, wie ein spielerischer Umgang mit Programmbausteinen ein erstes Verständnis für Algorithmen fördern kann.  Die Programmiersprachen Scratch und Python werden im Buch an einfachen Aufgaben erklärt und eignen sich sehr gut für einen intuitiven Zugang zur Arbeit mit Code. Auf den 224 Seiten wird mit ersten kleinen Programmen und Spielen an leicht verständlichen Beispielen gezeigt, wie Probleme aus unserer Welt in Computersprache übersetzt werden können. Dazu gehören aber auch Kapitel, die ganz grundlegende Fragen klären, die auch Erwachsene interessieren dürften: Wie funktioniert ein Computer? Und wie funktioniert das Internet? „Programmieren supereasy“ ist nicht nur ein elektronisches Bastelbuch für Kinder, sondern ist meine Empfehlung für alle, die endlich verstehen wollen, wie die Technik grundlegend funktioniert, die so ein wichtiger Teil unseres Alltags ist. Die einfachen Erklärungen sind ideal für Anfänger, die bei Null anfangen und Grundlagen brauchen.

Hier werden grundlegende Fragen ganz einfach beantwortet

Hier werden grundlegende Fragen ganz einfach beantwortet

„Hack’s selbst – Digitales Do It Yourself für Mädchen“ von Beltz & Gelberg richtet sich an Jugendliche ab 13 Jahren. Allein die Bonbon-farbene Covergestaltung und der Titel des Buches haben mich erst einmal misstrauisch gemacht, ob die stereotypische Ausrichtung überhaupt praktische Informationen abseits von Selfies und Online-Shopping zulässt. Da lag ich mit meinem Urteil allerdings deutlich daneben, denn dieses Sachbuch für Mädchen begeistert für unterschiedlichste Themen rund um Technik. Hier geht es neben Sicherheit und Verschlüsselung auch um Ideen aus den Bereichen Elektrotechnik, Informatik, Design und Netzpolitik. Wer sich online ausprobieren und die technischen Möglichkeiten von Computern besser verstehen will, findet in diesem Buch einfache Erklärungen für ganz konkrete Ideen. Mit der Programmiersprache Ruby werden ganz einfache Code-Beispiele erklärt, die einen guten Einstieg zum Programmieren Lernen sind. „Hack’s selbst“ macht richtig Lust aufs digitale Basteln und kann Mädchen tatsächlich motivieren, technische Probleme selbst anzupacken und sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Mit Ruby werden Grundlagen der Programmierung erklärt

Mit Ruby werden Grundlagen der Programmierung erklärt

 

Mein Fazit: Verschenkt diese Bücher an eure Kinder, Geschwister, Neffen und Nichten! Zu „Medienkompetenz“ gehört auch, die technischen Hintergrundprozesse in Grundzügen zu verstehen und die Möglichkeiten, die ein Computer bietet, zu kennen. Die beiden Sachbücher sind aber auch für Erwachsene geeignet, die sich endlich der Herausforderung stellen wollen und verständliche Erklärungen ohne technische Fachvokabeln brauchen. „Hack’s selbst“ empfehle ich vor allem neuen Bloggern, weil das Buch voller interessanter Anregungen steckt. Also: Lernt Programmieren! Mit diesen Büchern gibt es keine Ausrede mehr.
Und jetzt seid ihr dran: Welche Aufgaben habt ihr euch für 2016 vorgenommen? Was sind eure Erfahrungen beim Programmieren, auf welche Schwierigkeiten seid ihr gestoßen und welche Erfolgserlebnisse hattet ihr? Ich freue mich auf eure Kommentare und wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Advertisements

Ins Netz gegangen: KleineAnfragen.de

Womit verbringt ihr die Zeit auf eurem Arbeitsweg? Lesen? Schlafen? Handyspiele? Ich habe vor kurzem Maximilian kennengelernt, der seine Zeit auf dem Weg zur Arbeit damit verbracht hat, eine Internet-Seite zu programmieren. Am 4. Dezember 2015 ging sie still und heimlich online und der Grund, warum ich einen Blogbeitrag darüber schreibe, ist einfach: Dieses Projekt hat viel mehr Aufmerksamkeit verdient.

kleineAnfragen.de

Worum geht es auf der Seite?

Es geht um die Homepage kleineAnfragen.de, hinter der sich ein kostenloser und freier Service für uns alle verbirgt. Bei den betreffenden „Kleinen Anfragen“ handelt es sich um die Fragen, die Parlamentsabgeordnete ihrer Landesregierung stellen dürfen und als Antwort auf ihre Frage Informationen zum betreffenden Thema erhalten. Diese Informationen sind theoretisch öffentlich zugänglich, versacken aber als PDF Dateien in den separaten Parlamentsdokumentationssystemen der einzelnen Länder und sind durch URLs, die ihre Gültigkeit nach Schließen des Browsers verlieren, nicht verlinkbar. Transparenz ist anders.

Was kann die Seite?

KleineAnfragen.de macht drei Dinge:

  1. Die einzelnen Parlamentsdokumentationssysteme werden auf einer Seite integriert
  2. Die Dokumente bekommen einen statischen Link, der z.B in sozialen Netzwerken geteilt werden kann
  3. Die PDFs werden durchsuchbar und können nach bestimmten Themen gefunden und aufgerufen werden

Warum ist die Seite so wichtig?

Wissen ist Macht. Die Fragen der Abgeordneten sind oft auch relevant für uns, während die Antworten wichtige Fakten enthalten, an die wir sonst nur durch die Medien gelangen. Informationen und Daten zu aktuellen Problemen in Deutschland können wir durch kleineAnfragen.de aus erster Hand abrufen und ähnliche Anfragen von Abgeordneten unterschiedlicher Bundesländer vergleichen. Im beruflichen Bereich können Journalisten das Tool nutzen, um für Artikel zu recherchieren.

Fazit

Maximilian hat in seiner Freizeit ein tolles Projekt aus dem Boden gestampft. Vielleicht bin ich da etwas euphorisch, aber ich finde die Seite wichtig für mehr Transparenz in unserem demokratischen System. Politische Sachverhalte sind durch eine schwierige Informationslage für Privatpersonen oft schwer zu durchschauen, während die Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit der unterschiedlich sorgfältig recherchierten Medienberichte oft mit Vorsicht zu genießen sind. Die Antworten auf die Kleinen Anfragen unserer Abgeordneten liefern uns eine Grundlage zur eigenen Meinungsbildung und Recherche. Zu den begeisterten Unterstützern des Projekt gehören die Open Knowledge Foundation Deutschland und die Münchner IT-Firma headissue, die Maximilian bei der Arbeit unterstützt haben.
Für diese Seite solltet ihr euch auf alle Fälle ein Lesezeichen im Browser setzen. Was haltet ihr von der Homepage?

#BookUpDE im Hanser Verlag

Am vergangenen Dienstag öffnete der Münchner Hanser Verlag seine Türen für ein BookUp in weihnachtlicher Atmosphäre. Zwei Wochen zuvor hatte Verleger Jo Lendle in einem Vortrag an der LMU über seine Arbeit als Balanceakt zwischen Traditionen und neuen Impulsen gesprochen. Der abendliche BookUp ließ die über fünfzig Teilnehmer hinter die Kulissen des Verlags blicken, der für seine preisgekrönten Autoren von großartigen Bücher bekannt ist und machte den Balanceakt zur gelungenen Kür. Nach dem Motto „Handy raus, statt Handy aus“ durfte fleißig auf allen Kanälen über die Veranstaltung geplaudert und die Eindrücke aus den Vorträgen der einzelnen Verlagsabteilungen geteilt werden. Dabei fiel vor allem auf, mit wie viel Begeisterung und Hingabe alle Hanser-Mitarbeiter durch den Abend führten. Eine lückenlose Abdeckung mit strapazierfähigem Wifi, liebevolle Weihnachtsdekoration, leckeres Essen und viele kleine Überraschungen rundeten den tollen Abend ab.

Die Idee für die digitalen Treffen in der Buchbranche kommt von der Bloggerin Stefanie Leo, die auf ihrem Blog auch eine „Bastelanleitung“ für BookUps veröffentlicht hat.

Dieser Abend zu Gast im Hanser Verlag war mein erster BookUp und eine tolle Erfahrung. Nicht nur der Einblick in dessen Tagesgeschäft, sondern auch der Spaß am Büchermachen, den alle Mitarbeiter vermittelten, haben mich begeistert. Es war außerdem eine tolle Gelegeheit zum Netzwerken und Kennenlernen. Allerdings war die Anforderung an die eigene Fähigkeit zum Multi-Tasking neu für mich: Zuhören, Fragenstellen und online Mitlesen erforderten einen wahren – jetzt muss ich bei Herrn Lendle das Wort ausborgen – Balanceakt. Am Ende war der Kopf voll mit neuen Eindrücken, der Handy-Akku war ausgebrannt und der Mund leergeredet. Was online alles passiert ist, lässt sich nur schwer zusammenfassen. Ich habe es wie die Nordbreze gemacht, und ein Storify mit meinen Lieblingsbeiträgen des Abends zusammengestellt. Der Rest ist Schweigen.

Code-Battle: Ein Vergleich zwischen JSON und XML für Buchmenschen

Wer sich ein bisschen für E-Books interessiert, ist bestimmt schon über XML gestolpert. Es ist ein wichtiger Baustein für die Herstellung digitaler Inhalte im heutigen Verlagswesen. In den Praxis-Seminaren der Buchwissenschaft an der LMU schwören die Dozenten einheitlich auf XML als wichtige Grundlage für moderne Verlagsarbeit.

Wer sich hingegen etwas mit Programmierung auskennt und auch schon mit JSON gearbeitet hat,  setzt seit dem Lesen des vorangegangenen Absatzes schon einen wütenden Leserbrief auf, um mir klar zu machen, dass das Wort „modern“ und der Begriff „XML“ seit zehn Jahren nicht mehr im gleichen Satz verwendet werden sollten. Euch sage ich: Besser nicht hinsehen, gleich ist es vorbei.
Ich habe in meinem Studium in beiden Sprachen herumgestümpert und ziehe einen kleinen Vergleich für interessierte Buchmenschen. Ist JSON ansteckend? Kann man XML essen? Ich versuche hier einen kleinen Einblick zu geben, damit ihr hinterher hoffentlich die richtigen Fragen stellen könnt. Die Informationen habe ich teilweise aus meinen Einschätzungen, meinen Vorlesungsaufzeichnungen und einer Linksammlung zusammengestellt, die ich unten beigefügt habe. Einige Aspekte habe ich ausgeklammert, um jemanden ohne Vorkenntnisse nicht zu verwirren.

Merkmale von XML

XML ist keine Programmiersprache im eigentlichen Sinn. Die Abkürzung steht für den Ausdruck „Extensible Markup Language“. Es ist eine Auszeichnungssprache, die Informationen maschinenlesbar erfasst, indem sie die Daten in einzelne Elemente aufteilt und hierarchisch strukturiert. Die Auszeichnungen erfolgen durch sogenannte „Tags“, die die Bezeichnung der Information in spitzen Klammern enthalten. Die Tags markieren den Anfang eines Elements, wenn sie vor der Information stehen und signalisieren das Ende eines Elements, wenn sie mit einem Schrägstrich vor dem Elementnamen einer Information nachgestellt sind. Dadurch entstehen sogenannte Knoten im XML Dokument. Die Bezeichner dürfen jedoch nur ebenentreu verschachtelt werden. Tags, die innerhalb eines anderen Elementes geöffnet werden, müssen auf der gleichen Ebene auch wieder geschlossen werden. Auf diese Weise wird jede Information streng logisch kategorisiert und benannt.

Zum Beispiel:

<student>

<matrikelnr>12345678</matrikelnr>

<vorname>Popita</vorname>

<nachname>Pixel</nachname>

</student>

Die genauen Regeln, wie die Informationen erfasst werden, legt ein vom Anwender vorher definiertes Schema fest, das genau bestimmt, welche Tags und Datentypen verwendet werden. Durch dieses definierte Schema als Blaupause für alle anzulegenden XML Dokumente können die Dokumente sehr gut validiert und auf Korrektheit geprüft werden.

Der Code von XML ist durch den Menschen im Vergleich zu anderen Programmiersprachen mit spezieller Syntax sehr gut lesbar. Primär wurde XML jedoch entwickelt um einen präzisen Datenaustausch zu ermöglichen und als Metasprache ohne Komplikationen von anderen Programmen benutzt werden zu können. Programmiersprachen wie C++, Java und Python haben eine Schnittstelle, um XML Dokumente zu lesen und zu verarbeiten. Sie müssen diese Dokumente jedoch erst einlesen und abspeichern. In der XML Familie gibt es zudem noch eine große Zahl anderer Sprachen, die mit den Daten eines XML Dokuments arbeiten können.

Die Verwendung von XML im Verlag

Ein wichtiger Anwendungsbereich liegt derzeit noch im Verlagswesen. XML ist ein wichtiger Pfeiler für die Erstellung für E-Books und die Speicherung von Metadaten, denn das E-Book Dateiformat „Epub“ basiert auf XML und seiner Unterform XHTML. Dabei wird der Buchinhalt in Kategorien wie Überschriften und Bereiche mit spezieller Schriftformatierung gekennzeichnet. Die eigentliche Formatierung übernehmen sogenannte CSS-Dateien, die in eigener Programmiersprache das „Aussehen“ der gekennzeichneten Bereiche beschreiben. Auf diese Weise können E-Reader, Lese-Apps oder andere Darstellungsprogramme durch die aufgesetzte Software die Bereiche identifizieren und die hinterlegte Formatierungsanweisung umsetzen. XML speichert die Daten also medienneutral ab und ermöglicht so eine vielfache Nutzung durch verschiedenste Software.
XML kann aber auch für Datenbanken eingesetzt werden, deren Ziel es ist, Dokumente abzuspeichern. Diese dokumentenorientierte Datenbanken ermöglichen durch die XML-basierte Abfragesprache „XQuery“, die Dokumente zu durchsuchen und bestimmte Informationen herauszufiltern. Da Verlage mit großen Datenbeständen arbeiten, ist die Wahl einer entsprechenden Speicherung ein wichtiger Aspekt der Arbeit mit diesen Daten. Wenn bereits Buchinhalte und Metadaten in XML vorliegen, bietet es sich an, über die Verwendung einer XML-basierten Datenbank nachzudenken.

Merkmale von JSON im Vergleich

JSON ist eine Abkürzung für „JavaScript Object Notation“ und ist ein textbasiertes Datenformat, das 2001 auf der Basis von JavaScript entwickelt wurde. Die Programmiersprache JavaScript ist Bestandteil der meisten Browser und wird von den meisten Homepages verwendet. Im Bereich Datenaustausch zwischen Server und Web-Applikationen hat JSON das veraltete XML zu großen Teilen verdrängt. Denn JSON-Dokumente sind gleichzeitig ein ausführbares JavaScript und können sehr einfach und schnell geparst werden. Trotzdem ist JSON unabhängig von der Programmiersprache einsatzfähig und kann auch von anderen Technologien sprachunabhängig effizient verarbeitet werden. Vergleichbar mit XML werden mit JSON Informationen maschinenlesbar erfasst. Dabei werden die Informationen Namen zugeordnet und so Name-Wert-Paare gebildet. Außerdem spielen geordnete Wert-Listen eine große Rolle für die Struktur von JSON.

Das vorherige Beispiel des XML Codes könnte in JSON so aussehen:

„student“: {

„matrikelnr“: „12345678“,

„vorname“: „Popita“,

„nachname“: „Pixel“

},

Die gleichen Informationen aus den vorherigen Beispielen werden hier mit deutlich weniger Syntax beschrieben. Auch hier werden Daten ihren Bezeichnungen zugeordnet. Doch die Start-Tags und End-Tags, die in XML Beginn und Ende eines Elements kennzeichnen, werden hier eingespart. In JSON ist der vorangestellte Bezeichner für die Information gültig, die in Anführungszeichen bis zum nächsten Komma folgt. Diese Einsparungen erhöhen nicht nur die Lesbarkeit für den Menschen, sondern verkleinern zum einen den Schreibaufwand für die gleiche Menge an Information und zum anderen wird der Speicherbedarf verringert. Man spricht bei XML vom sogenannten „Overhead“ der durch die Tags entsteht und das Dokument in die Länge zieht.

Die Verwendung von JSON im Verlag

Da viele Content-Management-Systeme mit Skriptsprachen arbeiten, ist die Wahl von JSON als Output-Format sinnvoll, wenn die Inhalte in Feed-Dienste oder über Programmschnittstellen in andere Technologien integriert werden soll. In Hinblick auf den Online-Bereich kann JSON verwendet werden, um die Daten auf den Homepages, Apps und anderen Diensten einzuspielen. Durch die Nähe zu JavaScript und dem geringeren Speicherbedarf ist es auf dieser Ebene ein effizientes und unkompliziertes Datenaustauschformat.
Während E-Books wie oben bereits beschrieben mit XML, XHTML und CSS erstellt werden, könnte ein E-Book auf Basis von JSON mit Hilfe von Skriptsprachen erstellt werden. Diese Praxis hat sich, meiner Kenntnis und Recherche nach, jedoch noch nicht durchgesetzt. JSON ist also für die Herstellung von E-Books derzeit irrelevant.

Fazit

Da sich viele heutige Standards auf der Basis von XML gebildet haben, ist die Verwendung von XML für die maschinenlesbare Erfassung von Daten noch immer von großer Bedeutung. Weil das Epub-Format den E-Book Markt neben Mobipocket und PDF dominiert, wird XML vorerst die wichtigste Basis für die Herstellung digitaler Inhalte bleiben. Die einfache Validierung zur Überprüfung der Korrektheit der Dokumente ist eines der vorteilhaftesten Features von XML.

Allerdings wurde XML von JSON als Datenaustauschformat online bereits verdrängt. Eine Ablösung durch modernere Formate ist auch in anderen Bereichen denkbar. Realistisch betrachtet ist JSON zwar kompakter und übersichtlicher als XML und wird von vielen anderen Programmiersprachen unterstützt, wird aber die historische Bedeutung von XML so schnell nicht brechen können. Trotzdem sollten Verlage nach den Jahren der Einführung von XML den Aufwand nicht scheuen, sich mit JSON vertraut zu machen.

 

Linksammlung

Die offizielle Homepage von JSON: json.org

In diesem Beitrag wird auch ein Vergleich gezogen, der zu ähnlichen Ergebnissen kommt, die aber qualifizierter dargestellt werden: http://www.predic8.de/xml-json-yaml.htm

Falls ihr wissen wollt, wie man genau ein E-Book mit JSON und PHP herstellt: http://www.sitepoint.com/building-epub-with-php-and-markdown/

Getestet: „A Story A Day“ – Die Kurzgeschichten-App

Wenn ich auf andere Buchverrückte treffe, ist gleich nach „Was liest du?“ meine nächste Frage „Wie liest du?“. Die meisten Vielleser lassen sich schon längst nicht mehr auf die Entscheidung zwischen print oder digital einschränken. Allerdings bleibt offen, ob E-Reader, Smartphone oder Tablet die beste Wahl ist. Für mich ist mein Sony-Reader das einzige digitale Lesegerät gewesen. Bis jetzt.

A Story a Day

Screenshot: Die App ist ein Projekt des Voland und Quist Verlages.

Die Kurzgeschichten-App „A Story A Day“ vom jungen Verlag Voland & Quist hat mich erstmals zum Lesen ans Smartphone geholt. Der Dresdner Indie-Verlag hat unter anderem Lesebühnen-Autoren und Slam-Poeten wie Julius Fischer, Marc-Uwe Kling, Volker Strübing und Kirsten Fuchs im Programm. Mit der App „A Story A Day“ gibt es von diesen und weiteren Autoren, jeden Tag eine neue Geschichte aufs Handy. Der Download ist kostenlos, das Abonnement für die Geschichten kostet 3,95 Euro im Monat.

Vier Euro monatlich? Nein! – Doch! – Ah! Für jemanden wie mich, der Nachrichten für umme aus dem Internet schmarotzt, ist das ein Preis zum Grübeln. Es ist aber wohl kaum die Höhe des Preises, denn so viel kostet eine Halbe Bier in einer Münchener Kneipe oder ein Tagesticket für die U-Bahn. Es geht ums Prinzip. Es ist das Gefühl der monatlichen finanziellen Verbindlichkeit, das mir anfangs Unbehagen bereitet hat. Und trotzdem habe ich es probiert. Ich will lesen. Ich will Geschichten. Und wenn es ein interessantes Projekt von einem jungen Verlag mit tollen Autoren gibt, will ich es unterstützen.

Die App selbst ist leicht zu steuern: Auf dem Startbildschirm findet sich die Geschichte des Tages. Am Ende können Herzchen und Sternchen verteilt werden. Sie werden gespeichert und sind unter Autoren und Titeln später aufrufbar. „Die Favoriten“ zeigen die geherzten Geschichten, die sich zu einem übersichtlichen Best-of akkumulieren. Die Ladezeiten sind gering und der sanftgraue Hintergrund macht das Lesen angenehm am Smartphone-Bildschirm.

Favoriten

Screenshot: Die Lieblingsgeschichten werden gesammelt und übersichtlich angezeigt.

Das Wichtigste sind natürlich die Geschichten. Wer den Voland & Quist Verlag bereits kennt und liebt, dem muss ich wohl nicht mehr sagen außer: Großartigst! Es lohnt sich. Wem die Namen der Autoren erstmal nicht bekannt vorkommen, der bekommt mit den Geschichten einen Querschnitt von der Literatur abseits der großen Bestseller-Maschinen. Nachdenklich, kritisch, rotzig, experimentell, kurzweilig, ernst, klug und lustig kommen die Texte  daher.
Die Mischung ist abwechslungsreich, die Themen vielfältig. So beschreibt Kirsten Fuchs einen Elternabend im Kindergarten zum Kaputtlachen. Oder Jochen Schmidt parodiert in „Die Ideale Gutenachtgeschichte“ die große russische Literatur. Olja Savičević erzählt in „Straße, Pavillons“ von Liebe. Wenn an einem Tag kein großer Knaller dabei ist, ist am nächsten Tag die Neugier auf die neue Geschichte groß und auf der Homepage zur App findet sich ein Redaktionsplan mit den angekündigten Texten.

Wie lange ich das Abo laufen lasse, habe ich noch nicht festgelegt. Fürs erste sauge ich die Geschichten in mich auf und freue mich, dass es etwas Schönes auf meinem Smartphone zu lesen gibt. Wenn ich in der U-Bahn sitze oder in der Kneipe auf meine Verabredung warte, freue ich mich über die gut investierten vier Euro.

Blogosphäre: Die wichtigsten Seiten für Blogger

Blogger sind Online-Menschen durch und durch. Beiträge werden auf Facebook und Twitter beworben, auf Bloglovin‘ und Co gelesen und für alles sammeln sich im Kopf verschiedenste Login Daten. Die große Frage: Was ist wichtig und was nicht? Welche Foren, Plattformen und Portale sind für Buchblogger bringen mich weiter? Die Antworten findet jeder Blogger für sich selbst, lernt jeden Tag dazu und wurschtelt sich durch. Jetzt, da Random House kürzlich auch sein Bloggerportal ans Netz geschaltet hat, ist es für mich eine gute Gelegenheit für eine kleine Zusammenfassung.

Blogger lesen gern andere Blogs. Die Gretchen-Frage ist dabei die, nach dem besten Feed-Dienst, der alle Lieblingsblogs egal ob bei Blogspot, WordPress oder unabhängig, plattformübergreifend anzeigt. Bloglovin Feedly oder Bloglovin‘ sind angenehm, um die neuesten Beiträge auf einen Blick zu checken, zu markieren und neue Blogger zu entdecken. Feed-Dienste helfen aber auch, die eigenen Beiträge besser zu verbreiten.

Blogger wollen gelesen werden. Egal ob wir unsere Beiträge auf Facebook, Twitter oder auf Google+ Profilen teilen, wichtig ist immer die Frage, wie unsere Leser auf unseren Beiträgen landen. Daneben gibt es einige Homepages, die Blogs zu einem bestimmten Thema sammeln und Beiträge der registrierten Blogger in ihrer Community teilen. Bücherblogs versucht, ein Verzeichnis für deutsche Buchblogger zu erstellen. Registrierte Blogger sind in Kategorien auffindbar und neue Beiträge werden auf dem Blog und auf Twitter geteilt. Geekblogs beschränkt sich auf Nerd-Themen. Unter „Literatur“ sind auch Buchblogger und Beiträge über Literatur willkommen. Hier bin ich noch nicht registriert, obwohl mir Aufmachung und Thema sehr gut gefallen.

Blogger reden gern übers Bloggen. Bislang dachte ich, Foren sind eher ein Relikt der 90er Jahre. Doch sie sind lebendig wie eh und je und bieten einen Ort für Gleichgesinnte, um sich themenbezogen austauschen zu können. Dafür habe ich kürzlich das Blogboard entdeckt. Blogboard Blogger aller Kategorien und unterschiedlicher Amibitionen diskutieren in dem 2014 gestarteten Forum über den Umgang mit ihrer Community, Coding-Probleme und andere Sorgen. Eine gute Gelegenheit um erfahrenere Kollegen um Rat zu fragen und übers Schreiben zu philosophieren.

Bloggen muss Spaß machen. Ob Leidenschaft hinter einem Blog steckt, ist den Texten schnell anzumerken.  Um sich neuen Input für seine Nische zu holen und mit Gleichgesinnten zu netzwerken, sind themenbezogene soziale Plattformen sehr hilfreich. LovelyBooks Bei LovelyBooks fühle ich mich als Buchblogger gut aufgehoben, um mein Hobby auszuleben. Ich kann außerdem mein Profil mit meiner virtuellen Bibliothek auf meinem Blog verlinken und muss nicht doppelt und dreifach Leselisten posten. Für internationale Buchliebhaber ist die Leser-Plattform von Amazon Goodreads sehr verbreitet. Auch hier können Rezensionen verfasst und Meinungen mit anderen Lesern ausgetauscht werden.

Buchblogger brauchen Kontakt zu Verlagen und Autoren. Wie intensiv jeder Blogger mit ihnen zusammenarbeiten will, entscheidet jeder für sich und ist nicht immer leicht. Leseexemplare oder Interviewmöglichkeiten sind wichtiger Input, werden aber nicht von jedem Verlag „einfach so“ gewährt. Bei der großen Zahl von Buchblogs ist die Konkurrenz groß und die Geduld der Kooperationspartner begrenzt. Trotzdem sind Buchblogger für die Verlage ein Stimmungsbarometer und wichtige „Multiplikatoren“. Bloggerportal Das hat auch die Verlagsgruppe Random House verstanden und ein eigenes Bloggerportal ins Leben gerufen. Hier können Leseexemplare angefragt, Buchvorschläge abgefragt und Zusatzmaterial heruntergeladen werden. Auf den ersten Blick gefällt mir die Umsetzung sehr gut und ist eine unbedingte Registrierungsempfehlung!

Die Blogosphäre ist ein lebendiger Organismus. Jedes Jahr gibt es neue Plattformen, neue Kanäle und neue Möglichkeiten, sich online zu präsentieren. Da kann man schnell den Überblick verlieren und seine Zeit im Handumdrehen versurfen. Jetzt bin ich natürlich neugierig: Welche Communities nutzt ihr? Was sind eure Tipps im Netz?

Rezension: „Gadget“ von Jaron Lanier

Am 12. Oktober ist es soweit, dann wird der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Jaron Lanier in einem offiziellen Festakt vergeben. Bis vor kurzem hatte ich keine Ahnung, wer das eigentlich ist und habe mich in einem Blogbeitrag im vergangenen Juni dem ungewöhnlichen Herren mit den Dreadlocks angenähert. Seine Thesen sind umstritten, seine Mahnungen zu den Gefahren des Internets polarisieren die Fachwelt. Sein Buch „Gadget“ aus dem Suhrkamp Verlag bietet einige Einsichten in die Gedankenwelt des Künstlers, Musikers und Informatikers.

In „Gadget“ stellt Jaron Lanier die Frage, ob auf die Schwarmintelligenz und die große Cloud wirklich Verlass ist. Statt Prozesse der Kreativität und Innovation anzukurbeln, wird Quantität zum neuen Maßstab für Qualität und die Bedeutung des Individuums wird gemindert. Lanier zeigt anhand einiger Beispiele, wie die von Menschen erschaffene Technik und Software uns selbst gefangen hält. Angefangen bei Dateiformaten, die – da sie sich als Standard durchgesetzt haben – statt durch zeitgemäßere Formate ausgetauscht werden, uns dazu bringen, uns diesen veralteten Formaten anzupassen, argumentiert er weiter mit Plattformen wie Facebook, die uns durch gleichförmige Profile und Kategorien zu „Multiple-Choice Identitäten“ machen. Die Open Culture betrachtet er ebenfalls kritisch und sucht nach Modellen, in denen Künstler durch das Internet tatsächlich eine Existenz aufbauen können.

Gadget

Jaron Lanier
„Gadget“
Suhrkamp Verlag

An dieser Stelle wird das Buch hochinteressant. Während er anfangs in kalenderspruchartigen Thesen vor Verlust von Individualität, Unabhängigkeit und Menschlichkeit warnt, geht Lanier im hinteren Teil des Buches auf konkrete Entwicklungen ein, untersucht bestehende Ideen und erklärt seine Vorschläge für ein Internet, in dem von Menschen gemachter Inhalt auch etwas Wert ist.

Ich bin sehr skeptisch an das Buch herangegangen. Etiketten wie „Mahner der Gefahren des Internets“ und „Kritiker der Open Source Bewegung“ machen keinen Menschen sympathisch. Darauf hat Lanier allerdings auch etwas zu erwidern:

„Manche vergleichen Zweifler wie mich mit den verrunzelten Kirchenoberen aus dem Mittelalter, die gegen die Druckerpresse des armen Johannes Gutenberg kämpften. […] Diese Kritiker übersehen jedoch, dass die Druckerpresse selbst noch keine Garantie für eine aufgeklärte Zukunft bot. Nicht Maschinen machten die Renaissance, sondern Menschen. […] Das Netz konstruiert sich nicht selbst. Wir konstruieren es.“

Mit dieser Klarstellung hat Lanier, so streitbar seine Ideen manch einer finden möchte, Respekt verdient. Er stellt seine Lösungsvorschläge nicht als absolut dar, sondern will zum Umdenken anregen. Stellenweise führt er seine Argumentation jedoch etwas zu oberflächlich. Was womöglich dem Zweck dienen soll, zu viel Fachjargon zu vermeiden, wirkt nachlässig und zu vereinfacht. Plakative Begriffe wie „Ideologie der Schwarmintelligenz“ und „Computationalismus“ tauchen nach meinem Geschmack etwas zu häufig auf und werden Laniers klugen Gedankengängen nicht gerecht.

Trotzdem ist „Gadget“ meine große Leseempfehlung für den Herbst. Hier werden wichtige Entwicklungen, die das Internet zu dem machen was es ist, reflektiert. Laniers zentrale Botschaft scheint simpel, doch kann nicht oft genug betont werden: Wir sollten uns nicht selbst dehumanisieren und die Verantwortung für die Gestaltung eines Internets übernehmen, in dem Platz für Individualität ist und Kunstschaffende von ihrer Kreativität leben können.
Dass der Friedenpreis des Deutschen Buchhandels nun Laniers Ideen würdigt, ist ein guter Anstoß für die Buchbranche, endlich mit dem jammern aufzuhören und sich endlich – bis auf den kleinsten und alteingesessensten Buchhändler an der Ecke – mit solchen Themen auseinander zu setzen.

Schöne neue (App-) Welt

It’s a choice between a rock and a hard place

Tschüß Tastenhandy. Hallo Smartphone und ‚Hallo‘ auch an all die neuen Möglichkeiten, die mir Kamera, mobile Internetverbindung und hunderte Apps bieten. Seit einer Woche steckt die ganze Blogosphäre dank bloglovin-App in meiner Hosentasche, WhatsApp, Twitter und Instagram sind nur einen Wisch und einen kurzen Tipp mit der Fingerspitze entfernt.

Mit jeder heruntergeladenen App kann mein Telefon ein bisschen mehr und ich fühle ich mich nach dem Lesen der benötigten Daten jeder dieser Apps ein bisschen durchsichtiger. Bei den Nachrichten-Apps von Süddeutsche, Spiegel und ARD werde ich dann doch irgendwann stutzig. Die Süddeutsche Zeitung und die Tagesschau-App fordern neben Informationen über meine Identität gleich noch Zugriff auf meine Dateien/Fotos/Medien. Der Spiegel will hingegen nichts über meine Identität wissen und gibt sich „nur“ mit meinen Dateien/Fotos/Medien zufrieden.

Tagesschau-App

Als Nutzerin von WhatsApp, Facebook und Co sollte ich mich über die Praktiken der drei beispielhaft genannten Medienriesen wohl nicht beschweren dürfen. Trotzdem wünsche ich mir, das kleine Quadrat auf meinem Bildschirm wäre ein Türchen, hinter dem ein kleines graues Konzern-Männchen sitzt, das ich fragen kann, warum mein Fotoalbum so interessant ist, wenn ich einen Artikel über Netzpolitik, den Nahost-Konflikt oder die Unterwäsche von Rihanna lesen will. „Wozu wollen sie das wissen?“, würde ich immer wieder rufen, das Männchen an seinem grauen Hemdkragen packen und aus seinem Anzug schütteln, bis es mir endlich gesteht, die ganzen Daten ohne mein Wissen zu verkaufen.

Spiegel-App
Dabei habe ich meine Daten doch schon an zahlreichen anderen Stellen gedankenlos in fremde Hände gegeben, würde das Männchen verzweifelt jammern und ich würde tatsächlich mit dem wütenden Schütteln innehalten. Ich würde es auf ein Bier einladen und versuchen, seinen verknitterten Anzug wieder glattzustreichen. Eine wirkungslose, aber gut gemeinte Geste. Und dann, wenn wir beide am Tresen nebeneinander säßen – also ich auf einem Barhocker und der kleine graue Herr wie Pumuckl, aus einem Fingerhut trinkend auf dem Tresen – würde ich ganz ruhig und mit ein wenig müder Stimme sagen:

„Weißt du, von den anderen überrascht es mich nicht, aber ausgerechnet von dir hätte ich das einfach nicht erwartet.“

I google you: Friedenspreisträger Jaron Lanier

Immer das gleiche. Wenn die Preisträger von diversen Nobel- oder (wie nun kürzlich) des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels ausgerufen werden, sagen mir die Namen und Gesichter in den meisten Fällen – nichts. Ich Banause habe dann vom großen Beitrag zu unserer Gesellschaft und Kultur nichts geahnt. Aber wie singt schon Amanda Palmer: „I google you / When I’m alone in my room and I’ve got nothing to do“ Also nehme ich den Finger aus der Nase und setze mich an den Computer.

Ich google den diesjährigen Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels Jaron Lanier und werde fündig – mit einem Beitrag über Google. Zur Debatte rund um das Internet-Thema „Ein Recht auf Vergessenwerden“ ist in der FAZ am 01. Juni ein interessanter Beitrag unter dem Titel „Die bittere Pille Demokratie“ in der Übersetzung von Michael Bischoff erschienen. Jaron Lanier stellt darin eine wichtige Frage:

Möchten wir, dass die Menschen sich online ehrlich äußern, oder möchten wir, dass sie aus diesem Beispiel lernen und lieber vorsichtig und unehrlich sind?

Wem gehört die Zukunft?

Jaron Lanier
„Wem gehört die Zukunft?“
Hoffmann und Campe Verlag

Lanier ist Informatiker, Autor, Musiker, Künstler und seines Zeichens Internetkritiker finde ich später heraus. Dass er überall als „Mahner für die Gefahren des Internets“ beschrieben wird, macht mich gleichermaßen misstrauisch und neugierig. Grusel grusel, böses Internet? In einem anderen Beitrag ist er mit Brille und erhobenen Zeigefinger zu sehen und wenig später lese ich, dass er in seinem Buch „You are Not a Gadget“ die Open Source-Bewegung kritisiert. Klingt nicht sehr sympathisch. Aber Gegenstimmen sind wichtig und auch wenn ich auf den ersten Blick nicht alle Thesen unterstützen würde, geht es natürlich darum, deren Bedeutung für unsere Gesellschaft zu diskutieren. Ich nehme mir vor: Ich sollte seine Bücher lesen, bevor ich vorschnell urteile. Im FAZ Beitrag heißt es abschließend:

Die Gesellschaft sollte ein Interesse an der Förderung eines echten, unparteiischen Internet haben, aber im Augenblick geschieht fast genau das Gegenteil. […] Und wenn wir zulassen, dass gigantische Unternehmen zur Clearingstelle für unser aller Identität werden, dann ist das eine Form zentralisierter Macht.
[…]
Deshalb ist Demokratie für manche idealistischen Nerds eine bittere Pille. Aber in der Demokratie geht es darum, dass Menschen mit anderen Menschen auskommen. Wenn wir nicht einmal die eher leichte Last tragen können, anderen Menschen Raum zur Selbstbestimmung zu geben, disqualifizieren wir uns für die Teilhabe an der Demokratie.

Jaron Laniers Thesen bekommen vor dem Hintergrund seines Lebenslaufes noch einen ganz anderen Aspekt. David Hugendick nennt ihn in der „Zeit“ einen der „Evangelisten des Silicon Valley“. Jaron Lanier kritisiert also Zustände, in deren Entstehungsprozess er eine zeitlang mitgewirkt hat. Als ehemaliger Insider hat er ganz andere Einblicke in die komplexe Thematik als viele andere. Was ihm auf der einen Seite Autorität verleiht, bringt ihm andererseits misstrauische Fragen der Netzgemeinde ein. Er polarisiert also und befeuert wichtige Debatten. Das wiederum finde ich hochsympathisch. Das aktuelle Buch „Wem gehört die Zukunft?“ steht schonmal auf meiner Leseliste. Dann google ich gleichmal ein paar Rezensionen.

Fundsache: Die elektrische Buchhändlerin

Spannendes Konzept: Hier wird „Online-Buchhändler“ sehr wörtlich genommen. Auf der Plattform mybook können sich Buchkäufer auf der Suche nach einer Empfehlung beraten lassen. Wer auf „Los geht’s“ klickt, bekommt einige Fragen gestellt. Das Ziel: Am Ende bekommt der User eine Mail mit drei Vorschlägen von einem der „Buchexperten“ und einen Link zum Buchkauf auf mybooks.

„Baukasten-Beratung“, ist mir da zuerst verächtlich durch den Kopf geschossen, aber ich musste mich bremsen. Als Buchhändlerin höre ich von vielen Seiten bereits den Abgesang auf meinen Beruf und ich bin ein bisschen dünnhäutig geworden. Aber in meiner perfekten Welt würde sich „online“ und „Buchhandel“ besser vertragen und ich hätte eine Buchhandlung, in der man sich online beraten lassen kann und dann noch das Buch in den Briefkasten bestellen kann, das wäre eine prima Sache, dann wären alle glücklich, Buchhändler müssten nicht zum LKW-Fahrer umschulen, Amazon wäre ein kleines Licht und kurz gesagt: Ja, wir hätten natürlich Weltfrieden. Aber zurück zum Thema.

Jetzt kommt mybook des Weges und bietet statt eines Algorithmus also eine Beratung von jemandem der ein Gesicht und einen eigenen Kopf hat. Also keinen Empfehlungsautomaten, sondern einen Buchhändler mit mehr Möglichkeiten? Ich habe mich durch die Fragen geklickt und festgestellt: Die Mehrzahl der Fragen stelle ich den Kunden in einer Buchhandlung auch. Suchst du ein Buch für dich oder jemand anderen? Mann oder Frau? Welches Genre soll es sein?
Ich habe nach Beantwortung der Fragen drei Empfehlungen für neue Kurzgeschichten-Bücher erhalten.

Wassererzählungen

Wassererzählung: Hört sich gut an.

Drei Stühle

Drei Stühle: Das ist der Zonk!

Zehnter Dezember

Zehnter Dezember: Mein Favorit!

 

 

 

 

 

 

 

Das sieht nach einer ganz guten Quote aus: Von drei Empfehlungen, ist eins ganz okay und eins sogar interessant. Wenn ich Kunden drei Bücher empfehle und wenigstens eins davon als interessante Anregung in die engere Auswahl kommt, bin ich schon immer ganz zufrieden. Ein Vorschlag liegt allerdings soweit daneben, dass ich mich frage, ob meine angegebenen Lieblingsautoren und zwei Lieblingsbücher überhaupt beachtet wurden. Kulinarische Geschichten von Kreta? Äähm, nein danke!

Ich schätze, wenn es nach den Betreibern der Seite geht, sollten die, die sich dort beraten lassen auch idealerweise das Buch auf der selben Seite bestellen. Doch es bleibt zu befürchten, dass es mybooks so ergehen wird wie den Buchhandlungen im echten Leben auch: Von der netten Buchhändlerin beraten lassen, nach Hause gehen, woanders bestellen.

Wenn ich ehrlich bin, finde ich die Idee gut und bin gespannt, was man davon noch hören wird. Aber das sage ich natürlich nicht, weil ich eine Buchhändlerin mit Zukunftsängsten bin, die sich eigentlich nur Weltfrieden wünscht.

Sascha Lobos Standpauke

Mit seiner Rede auf der re:publica 2014 hat Sascha Lobo deutliche Worte gefunden. „Ihr habt versagt.“ Das sitzt.

Der Grund für die harten Worte: Unsere Passivität. Er brach eine Lanze für Plattformen wie Netzpolitik, oder die Digitale Gesellschaft und alle anderen Aktivisten, die sich in der Politik für Freiheit und Sicherheit im Internet einsetzen. Verglichen mit der Zahl der User, die davon profitieren, ist die Unterstützung und Aufmerksamkeit, die sie dafür erhalten beschämend gering. Die Wichtigkeit ihrer Arbeit wird unterschätzt: „Weil die meisten von euch offenbar glauben, dass wenn sie eine Petition twittern, dass das dann irgendjemanden im EU Parlament ernsthaft interessiert.“ Beifall.
Ich muss an die ganzen Petitionen denken, die regelmäßg auf Facebook auftauchen. Mit einem Klick wird den Unterzeichnenden das Gefühl gegeben, viel für den Triumph der Demokratie getan zu haben. Mittlerweile gibt es für jede Kleinigkeit, gegen nervige Moderatoren und jeden Aufreger eine eigene Petition. Richtig ernst kann ich das schon nicht mehr nehmen, wenn ich ehrlich bin. Stattdessen klicke ich gar nicht mehr  und beschränke mich auf… naja, Abwarten und Hinnehmen. „Aber in der großen Masse tut ihr so, als sei euch Netzpolitik wichtig, aber ihr handelt nicht danach. Ihr twittert das, aber ihr überweist nicht.“ Betretenes Schweigen.

Kurzer Flashback: Vor einiger Zeit habe ich einen Beitrag zum Heartbleed-Bug gepostet und darüber, wie sehr Open Source in der Kritik steht. Dabei ist das Problem genau dasselbe. Wenn alle, die von der Software profitieren, auch einen Beitrag für deren Entwicklung in Form von Spenden leisten würden anstatt die Schuld für das Versagen den wenigen Freiwilligen und Engagierten in die Schuhe zu schieben, hätten wir weniger Probleme.

Auch Lobo griff den Heartbleed-Bug auf, der von Geheimdiensten lange Zeit bequem zur Spionage genutzt werden konnte. Er machte klar: Unsere Freiheit steht auf dem Spiel. Überwachung, Kontrolle und ein Internet, in dem wir uns bald viel weniger frei bewegen können, sind der Preis unserer Passivität. Lobos Fazit: Wir müssen unsere Einstellung überdenken. Statt das Internet zu konsumieren, müssen wir uns aktiv um die digitale Sphäre kümmern. Überwachung und Kontrolle darf nicht zur Normalität werden.

Der Startschuss zur Selbstkasteiung ist gefallen. Wir können jetzt alle auf unseren Blogs und auf Facebook Besserung geloben. Ich bin gespannt, ob sein Weckruf an uns nachhaltig war, oder ob die Kurzlebigkeit der Trends im Internet den Impuls wegspült.
Wenn das Video von seiner Rede in etwa so viral wird wie der Harlem Shake, mache ich mir keine Sorgen.

 

Worum geht’s beim „Heartbleed Bug“?

heartbleed

Das offizielle Logo des Heartbleed Bug.

Das Bekanntwerden des „Heartbleed Bug“ schlägt im Moment hohe Wellen. Es geht um eine massive Sicherheitslücke, durch die Passwörter und sensible Daten ausgelesen werden können. Das betroffene Programm heißt „OpenSSL“, eine Software die zur verschlüsselten Datenübertragung im Internet auf rund zwei Dritteln aller Server eingesetzt wird. Wer nicht in der Materie steht oder vom Informatik-Prof auf dem Laufenden gehalten wurde, an dem dürfte die eigentliche Aufregung jedoch völlig vorbeigegangen sein. Wären die Yahoo-Mailaccounts von zwei meiner Freunde nicht gehackt worden, hätte es mich wohl auch nicht besonders interessiert. Hier steht aber nicht nur ein Programmierfehler in einer Software zur Debatte, die auf zahlreichen Plattformen zum Einsatz kommt und so Unternehmen und Endnutzer auf der ganzen Welt betrifft. Hier geht es um mehr.

Im Fokus steht auch das Konzept der „Open Source“-Entwicklung von Software, bei der eine internationale Community von Programmierern oft unentgeltlich Software entwickelt. Das kostenlose Schreibprogramm „Libre Office“, aber auch die Linux-Betriebssysteme sind beispielsweise Open Source, bei denen Entwickler rund um den Globus in ihrer freien Zeit an den Codes schreiben. Das Ziel: Software für Endverbraucher leicht verfügbar zu machen und ihnen die Kontrolle über das Programm zu ermöglichen. Eine gute Idee, die derzeit jedoch in der Kritik steht.
In diesem Artikel bringt Autor Wayne Rash die Ursache des Heartbleed Bugs bei OpenSSL auf den Punkt: „It was a coding error, pure and simple. It wasn’t caught because there are only a handful of people in the entire world working, for free, to develop OpenSSL.“ Ausführliche Tests und ein fokussiertes Entwickler-Team, das sich rund um die Uhr mit der Programmierung von Software beschäftigt, kostet viel Geld. Manche Open-Source-Projekte werden zum Teil aus Spenden finanziert. Das Auffällige in diesem Fall ist laut Rash, das die Banken, Plattformen und Shops, die OpenSSL genutzt haben, keinerlei Geld zu dessen Entwicklung beigesteuert haben.

Ob der Heartbleed Bug nun für eine Negativ-Kampagne gegen Open Source ausgewalzt wird, oder die richtigen Konsequenzen gezogen werden und mehr Spenden auch von Seiten der nutznießenden Unternehmen fließen werden, bleibt abzuwarten.

Der Heartbleed Bug wirft aber auch viele Fragen auf. Verschwörungstheoretiker reiben sich jetzt die Hände, dass der Bug zeitlich mit dem Auslaufen des Supports für Windows XP zusammenfällt und wittern darin eine Schmutz-Kampagne gegen freie Software und für die Sicherung der Marktanteile. Warum wurde dieser Bug erst so spät nach seiner eigentlichen Entdeckung publik gemacht und wie lange ist er tatsächlich bekannt? Die Firma „Codenomicon“  hat den Bug entdeckt und die Öffentlichkeit benachrichtigt. Bevor die Aufrufe zur Änderung der Passwörter an die Nutzer und die Prüfungen der großen Internet-Riesen starteten, wurde allerdings erst noch ein hübsches Logo entworfen und die Homepage heartbleed.com ins Leben gerufen. Das Sicherheitsleck in der Serverkommunikation konnte in der Zwischenzeit von allen, die die Fähigkeit besaßen es zu entdecken, auch genutzt werden.