Bücher, Netzwelt und Stimmen in meinem Kopf

Wenn ich auf andere Buchverrückte treffe, ist gleich nach „Was liest du?“ meine nächste Frage „Wie liest du?“. Die meisten Vielleser lassen sich schon längst nicht mehr auf die Entscheidung zwischen print oder digital einschränken. Allerdings bleibt offen, ob E-Reader, Smartphone oder Tablet die beste Wahl ist. Für mich ist mein Sony-Reader das einzige digitale Lesegerät gewesen. Bis jetzt.

A Story a Day

Screenshot: Die App ist ein Projekt des Voland und Quist Verlages.

Die Kurzgeschichten-App „A Story A Day“ vom jungen Verlag Voland & Quist hat mich erstmals zum Lesen ans Smartphone geholt. Der Dresdner Indie-Verlag hat unter anderem Lesebühnen-Autoren und Slam-Poeten wie Julius Fischer, Marc-Uwe Kling, Volker Strübing und Kirsten Fuchs im Programm. Mit der App „A Story A Day“ gibt es von diesen und weiteren Autoren, jeden Tag eine neue Geschichte aufs Handy. Der Download ist kostenlos, das Abonnement für die Geschichten kostet 3,95 Euro im Monat.

Vier Euro monatlich? Nein! – Doch! – Ah! Für jemanden wie mich, der Nachrichten für umme aus dem Internet schmarotzt, ist das ein Preis zum Grübeln. Es ist aber wohl kaum die Höhe des Preises, denn so viel kostet eine Halbe Bier in einer Münchener Kneipe oder ein Tagesticket für die U-Bahn. Es geht ums Prinzip. Es ist das Gefühl der monatlichen finanziellen Verbindlichkeit, das mir anfangs Unbehagen bereitet hat. Und trotzdem habe ich es probiert. Ich will lesen. Ich will Geschichten. Und wenn es ein interessantes Projekt von einem jungen Verlag mit tollen Autoren gibt, will ich es unterstützen.

Die App selbst ist leicht zu steuern: Auf dem Startbildschirm findet sich die Geschichte des Tages. Am Ende können Herzchen und Sternchen verteilt werden. Sie werden gespeichert und sind unter Autoren und Titeln später aufrufbar. „Die Favoriten“ zeigen die geherzten Geschichten, die sich zu einem übersichtlichen Best-of akkumulieren. Die Ladezeiten sind gering und der sanftgraue Hintergrund macht das Lesen angenehm am Smartphone-Bildschirm.

Favoriten

Screenshot: Die Lieblingsgeschichten werden gesammelt und übersichtlich angezeigt.

Das Wichtigste sind natürlich die Geschichten. Wer den Voland & Quist Verlag bereits kennt und liebt, dem muss ich wohl nicht mehr sagen außer: Großartigst! Es lohnt sich. Wem die Namen der Autoren erstmal nicht bekannt vorkommen, der bekommt mit den Geschichten einen Querschnitt von der Literatur abseits der großen Bestseller-Maschinen. Nachdenklich, kritisch, rotzig, experimentell, kurzweilig, ernst, klug und lustig kommen die Texte  daher.
Die Mischung ist abwechslungsreich, die Themen vielfältig. So beschreibt Kirsten Fuchs einen Elternabend im Kindergarten zum Kaputtlachen. Oder Jochen Schmidt parodiert in „Die Ideale Gutenachtgeschichte“ die große russische Literatur. Olja Savičević erzählt in „Straße, Pavillons“ von Liebe. Wenn an einem Tag kein großer Knaller dabei ist, ist am nächsten Tag die Neugier auf die neue Geschichte groß und auf der Homepage zur App findet sich ein Redaktionsplan mit den angekündigten Texten.

Wie lange ich das Abo laufen lasse, habe ich noch nicht festgelegt. Fürs erste sauge ich die Geschichten in mich auf und freue mich, dass es etwas Schönes auf meinem Smartphone zu lesen gibt. Wenn ich in der U-Bahn sitze oder in der Kneipe auf meine Verabredung warte, freue ich mich über die gut investierten vier Euro.

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