Bücher, Netzwelt und Stimmen in meinem Kopf

Stellt eure Faser auf Betäubung und begebt euch in eine aufrechte Position: Das ist das Science-Fiction Triple Feature. Mit Aldous Huxleys Klassiker „Schöne neue Welt“, dem Kultbuch „Metro 2033“ von Dimitry Glukhovsky und Leif Randts Neuling „Planet Magnon“ habe ich mich in den letzten Wochen in die Zukunft begeben und einen Querschnitt durch das Genre gewagt.

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„Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley erschien bereits 1932 und zählt noch immer zu den Standardwerken der Zukunftsromane. In diesem Szenario reproduzieren sich die Menschen, statt sich fortzupflanzen und werden auf ihre soziale Stellung und Arbeit genetisch genormt. Alter, Krankheit und Unzufriedenheit sind im System nicht vorgesehen, in dem die Familie abgeschafft wurde und ein Weltaufsichtsrat die Geschicke der Menschheit im Namen des Gottes des Kapitalismus lenkt.
Das faszinierende an dem kurzweiligen Roman ist, dass am Ende wirklich nicht klar ist, ob die Prognose eine düstere ist. Denn tatsächlich funktioniert das System. Dank Genetik, Drogen und effektiver Indoktrinierung im Schlaf ist es in dieser Zukunft einfach nicht mehr möglich, unglücklich zu sein.

„Metro 2033“ von Dimitry Glukhovsky erschien 2007 und spielt in einer Zukunft, in der ein Atomkrieg die Erde unbewohnbar gemacht hat und die Überlebenden sich in den strahlensicheren Schächten der Moskauer Metro verschanzt haben. Der russische Autor schreibt in dem Roman, der als Vorlage für ein Computerspiel diente, von einer Gesellschaft im Untergrund, die nichts aus den Fehlern der alten Zivilisation gelernt hat. Ideologien wie Kommunismus, Faschismus und religiöser Fanatismus, sowie die damit verbundenen Konflikte spielen sich hier auf viel engerem Raum ab. Protagonist Artjom irrt mit seinem schicksalshaften Auftrag durch die verfeindeten Stationen, um seine Heimatstation vor einer unheimlichen Bedrohung zu bewahren. Glukhovsky schafft es dabei, dem Leser die beklemmende Dunkelheit der Tunnel bis in die Knochen kriechen zu lassen und die allzu glücklichen Fügungen für den Haupthelden in eine trotzdem mystisch-packende Romanhandlung zu gießen.

Leif Randt hat in diesem Jahr mit „Planet Magnon“ einen ganz neuen Sci-Fi Roman bei Kiepenheuer&Witsch veröffentlicht. In seinem Buch leben die Menschen in einem friedlichen Sonnensystem, in dem Kollektive das gesellschaftliche und intellektuelle Leben beeinflussen. Gelenkt wird die Bevölkerung der Planeten durch eine Technologie namens „ActualSanity“, die aufgrund statistischer Daten und Prognosen, die Politik und Wirtschaft des Sonnensystems steuert. Die „AS“ ist eine allmächtige und beinahe gottgleiche Macht, deren Entscheidungen die Planetenbewohner nicht immer nachvollziehen können, aber auf die alle vertrauen. Der Roman liest sich dabei flüssig und spannend. Hier stehen mehr Ideen und Überzeugungen im Mittelpunkt, als seitenlange Beschreibungen neuer Erfindungen. Besonders interessant ist dabei die Droge „Magnon“: Während in „Schöne neue Welt“ die Droge „Soma“ Sorgen und Zweifel der Menschen betäubt, fördert Magnon in Leif Randts Roman ein geschärftes, unabhängiges Denken.

Auch wenn die drei Romane nicht direkt miteinander vergleichbar sind, finden sich in ihnen gemeinsame Fragestellungen. Was macht das Menschsein aus? Und: Was ist Freiheit? Die Antworten fallen unterschiedlich aus, aber sind in den spannenden Geschichten zwischen den Zeilen verwoben. Alle drei Romane bieten Sätze, die sich im Kopf festsetzen und Romanhandlungen, die den Leser fesseln.
Es lohnt sich, den Blick in die Zukunft zu wagen. Nach dem Zuklappen der Buchdeckel ist zum Glück alles wieder beim Alten.

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Kommentare zu: "Rezension: Der Klassiker, das Kultbuch und der Neue" (2)

  1. Ich mag Schöne neue Welt auch. In der Oberstufe mussten wir das im Englisch LK lesen und tot interpretieren, das hatte dann natürlich einen faden Beigeschmack.
    Aber den Roman an sich mochte ich, so dass ich mir danach auch die deutsche Fassung davon gekauft habe.

    • Obwohl mich die deutsche Fassung leicht irritiert hat. In der alten Übersetzung wurde der Schauplatz nach Berlin verlegt… Naja.
      „Tot interpretieren“ kenne ich auch. ^^ So was cooles haben wir aber bei uns in Englisch nicht gelesen!

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