Bücher, Netzwelt und Stimmen in meinem Kopf

An Literaturpreisen mangelt es auf dem deutschen Buchmarkt nicht. Der Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung gehört vielleicht nicht zu den bekanntesten, dafür aber zu den wichtigsten und interessantesten Förderpreisen. Er ist eine Auszeichnung für Autoren, die selbst oder in zweiter Generation aus anderen Kulturen kommen, aber ihre Werke auf Deutsch verfassen und die deutsche Nationalliteratur mit ihren Einflüssen bereichern.
Gestern wurde der Adelbert-von-Chamisso-Preis zum 31. Mal verliehen und ich hatte die seltene Gelegenheit, dem Festakt 2015 in der Münchener Allerheiligen-Hofkirche beizuwohnen. wpid-wp-1425595648166.jpeg

In diesem Jahr durften die drei Autoren Martin Kordić, Olga Grjasnowa und Sherko Fatah die hoch dotierten Preise für ihre Romane entgegennehmen. Das eindrucksvoll ausgeleuchtete Gemäuer der Backsteinkirche bot eine perfekte Kulisse für die Präsentation und Würdigung der Romane, aus denen vor der jeweiligen Laudatio eine kurze Passage als Kostprobe vorgelesen wurde.

In „Wie ich mir das Glück vorstelle“ von Martin Kordić wird die Geschichte vom behinderten Viktor erzählt, der im ehemaligen Jugoslawien seine Lebensgeschichte in einem Heft verewigt und von seinen Begegnungen und Erinnerungen in der, vom Krieg geprägten Region im Präsens erzählt. Fünf Jahre arbeitete Kordić, dessen Familie aus Bosnien-Herzegowina kommt, an seinem Debüt.

Olga Grjasnowa wurde für ihren zweiten Roman ausgezeichnet. Nach ihrem gefeierten Erstling „Der Russe ist einer, der Birken liebt“, erzählt sie in „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ die Geschichte von Leyla und Altay, die wie die Autorin, aus Aserbaidschan stammen und als Homosexuelle in einer Zweck-Ehe in Berlin leben.wpid-wp-1425595609973.jpeg

Preisträger Sherko Fatah wuchs als Sohn seines irakisch-kurdischen Vaters und seiner deutschen Mutter in der DDR auf. Den Adelbert-von-Chamisso-Preis 2015 wurde ihm nun für sein Lebenswerk und seinen aktuellen Roman „Der letzte Ort“ verliehen. Sein literarisches Schaffen bekommt vor den jüngsten Ereignissen im Nahen Osten eine tragische Aktualität: In Fatahs fünftem Roman werden der Archäologe Albert und sein Übersetzer Osama im Irak entführt.

Die Autoren gaben in kurzen Filmen Einblick in ihr Schreiben und stellten sich auf der Bühne den Fragen der Moderatorin. So gab es beim Ausklang der Veranstaltung mit Wein und spanischen Häppchen reichlich Gesprächsstoff.
Ich freue mich außerdem über ein persönlich signiertes Exemplar von „Wie ich mir das Glück vorstelle“ und eine kurze Begegnung mit Hanser-Verleger Jo Lendle. Für mich war es das erste Mal, dass ich bei so einer Veranstaltung von diesem Format dabei sein durfte.
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Eine Preisverleihung würdigt die Bedeutung der Bücher viel eindrücklicher als die kleinen Sticker, die einen Roman in der Buchhandlung als Preisträger für den Leser erkenntlich machen. Der Adelbert-von-Chamisso-Preis 2015 war ein tolles Fest, bei dem nicht nur gute Romane im Mittelpunkt standen, sondern auch die interessanten Menschen, die hinter den Geschichten stehen.

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