Bücher, Netzwelt und Stimmen in meinem Kopf

It’s a choice between a rock and a hard place

Tschüß Tastenhandy. Hallo Smartphone und ‚Hallo‘ auch an all die neuen Möglichkeiten, die mir Kamera, mobile Internetverbindung und hunderte Apps bieten. Seit einer Woche steckt die ganze Blogosphäre dank bloglovin-App in meiner Hosentasche, WhatsApp, Twitter und Instagram sind nur einen Wisch und einen kurzen Tipp mit der Fingerspitze entfernt.

Mit jeder heruntergeladenen App kann mein Telefon ein bisschen mehr und ich fühle ich mich nach dem Lesen der benötigten Daten jeder dieser Apps ein bisschen durchsichtiger. Bei den Nachrichten-Apps von Süddeutsche, Spiegel und ARD werde ich dann doch irgendwann stutzig. Die Süddeutsche Zeitung und die Tagesschau-App fordern neben Informationen über meine Identität gleich noch Zugriff auf meine Dateien/Fotos/Medien. Der Spiegel will hingegen nichts über meine Identität wissen und gibt sich „nur“ mit meinen Dateien/Fotos/Medien zufrieden.

Tagesschau-App

Als Nutzerin von WhatsApp, Facebook und Co sollte ich mich über die Praktiken der drei beispielhaft genannten Medienriesen wohl nicht beschweren dürfen. Trotzdem wünsche ich mir, das kleine Quadrat auf meinem Bildschirm wäre ein Türchen, hinter dem ein kleines graues Konzern-Männchen sitzt, das ich fragen kann, warum mein Fotoalbum so interessant ist, wenn ich einen Artikel über Netzpolitik, den Nahost-Konflikt oder die Unterwäsche von Rihanna lesen will. „Wozu wollen sie das wissen?“, würde ich immer wieder rufen, das Männchen an seinem grauen Hemdkragen packen und aus seinem Anzug schütteln, bis es mir endlich gesteht, die ganzen Daten ohne mein Wissen zu verkaufen.

Spiegel-App
Dabei habe ich meine Daten doch schon an zahlreichen anderen Stellen gedankenlos in fremde Hände gegeben, würde das Männchen verzweifelt jammern und ich würde tatsächlich mit dem wütenden Schütteln innehalten. Ich würde es auf ein Bier einladen und versuchen, seinen verknitterten Anzug wieder glattzustreichen. Eine wirkungslose, aber gut gemeinte Geste. Und dann, wenn wir beide am Tresen nebeneinander säßen – also ich auf einem Barhocker und der kleine graue Herr wie Pumuckl, aus einem Fingerhut trinkend auf dem Tresen – würde ich ganz ruhig und mit ein wenig müder Stimme sagen:

„Weißt du, von den anderen überrascht es mich nicht, aber ausgerechnet von dir hätte ich das einfach nicht erwartet.“

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Kommentare zu: "Schöne neue (App-) Welt" (3)

  1. Bei denen, denen Nachrichten-Apps von Süddeutsche, Spiegel und ARD wichtig sind, werde ich dann doch irgendwann stutzig. Fehlen nur noch ZDF, Focus und ADAC.

  2. Sommerlied schrieb:

    In wie weit man seine Daten OHNE Zustimmung verliert, ist schwer zu sagen. Aber man kann auf jedenfall ein Smartphone ohne diese Spionage-Apps benutzen. Die meisten braucht man nicht und es gibt auch gute, die nichts verlangen.
    Fotos und Dateien vom Handy sind ja das eine (da hab ich aber nie wichtige Sachen drauf, deswegen ist das ja noch vertretbar). Viel gruseliger finde ich, WhatsApp und Co zu gestatten von außen auf mein Mikrophon und Kamera zugreifen zu können.

    Erzähl das mal Leuten, die in der Badewanne telefonieren. Für den Nachbarn hauen sie kein Loch in die Wand, aber für Fremde die Kamera zur Verfügung stellen.

    Und „Ich hab nichts zu verbergen“ gilt nicht als Ausrede. Wie oben: Sie würden ja auch nie alles ihrem Nachbarn anvertrauen >.<

    Ich muss bei sowas immer öfter an George Orwells gläsernen Menschen denken. Davon ist man ja bald nicht mehr lange weg. Nur das wir alle freiweillig unsere Seele verkaufen.

  3. Willkommen im Smartphonesumpf. Können äußerst nützlich sein, die Dinger – aber alles im Leben hat seine Schattenseiten.

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