Bücher, Netzwelt und Stimmen in meinem Kopf

Eigentlich ist es ziemlich ärgerlich, festzustellen, dass ich
immer noch imstande bin zu hoffen.

Gestalt des letzten Ufers

Michel Houellebecq „Gestalt des letzten Ufers“ Dumont Verlag

Der Mensch: Ein vergängliches, einfältiges Wesen im großen, kalten Universum. Der französische Autor Michel Houellebecq vermittelt in seinem Gedichtband „Gestalt des letzten Ufers“ das Gefühl von gleichzeitiger zynischer Klarheit und Verlorenheit. Er fängt Alltäglichkeiten in einem Kaleidoskop aus Vergänglichkeit, Körperlichkeit und Sehnsucht ein und verdichtet seine Gedanken zu schwerelos und greifbar wirkenden Versen.
Die beiden Übersetzer Stephan Kleiner und Hinrich Schmidt-Henkel haben im Deutschen den Sound des Dichters getroffen und darauf verzichtet, die französischen Reime auf Biegen und Brechen zu übernehmen. Da die Gedichte zweisprachig abgedruckt sind, kann der Leser selbst den Vergleich ziehen und zum einen die stimmigen Verse flüssig auf Deutsch lesen, zum anderen kann er mit ein wenig Französischkenntnissen ein eigenes Bild von Houellebecqs Sprachgefühl bekommen.

Gedicht

Mein Fazit

Ich bin ganz begeistert von meinem neuesten Zuwachs für mein Lyrik-Regal! Stilistisch würde ich Houellebecqs Gedichte zwischen der Lyrik von Bert Brecht, Charles Bukowski und Michael Lentz verorten. Wer sich gern einmal an moderne Lyrik heranwagen will und sich nicht gleich auf abgefahrene Sprachexperimente einlassen möchte, sollte sich diesen Band vornehmen. Ich lese Gedichtbände nie linear von vorn bis hinten. Ich nehme sie meistens abends zur Hand, lese ein bis drei Gedichte, lege sie wieder beiseite, schlage später an anderer Stelle auf, merke mir Lieblings-Passagen. In der wunderbaren Ausstattung von „Gestalt des letzten Ufers“ gibt es zum Glück neben einem Lesebändchen auch eine Klappe, mit der Lieblingsstellen eingemerkt werden können.
Auch ohne Vorkenntnis der Romane des Autors kann man mit diesen Gedichten Houellebecq-Fan werden. Zwischen den Zeilen hängt eine ganz besondere Melancholie, die nicht beschwert, sondern den Blick frei macht. Manchmal düster ohne Bitterkeit, manchmal radikal ohne viel Lärm – volle Punktzahl für „Gestalt des letzten Ufers“!

(ein moment der kosmologie)

Wenn die Nacht sich zerteilt zu verlangsamten Vögeln
Und die Tage keinerlei Alternative mehr bieten
Muss man aufhören zu leben, ohne Verzug und ohne Lärm
Das Nichts bietet uns relativen Frieden

Es sei denn, man stellte sich vor, dass wir weiterleben
Weiterleben ohne Bewusstsein, dass unsere idiotischen Atome
Redundant und rund wie Kugeln beim Lotto
Sich neu zusammensetzen wie die Seiten eines Buches

Das ein Arschloch schreibt
Und Schwachköpfe lesen

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