Bücher, Netzwelt und Stimmen in meinem Kopf

Spannendes Konzept: Hier wird „Online-Buchhändler“ sehr wörtlich genommen. Auf der Plattform mybook können sich Buchkäufer auf der Suche nach einer Empfehlung beraten lassen. Wer auf „Los geht’s“ klickt, bekommt einige Fragen gestellt. Das Ziel: Am Ende bekommt der User eine Mail mit drei Vorschlägen von einem der „Buchexperten“ und einen Link zum Buchkauf auf mybooks.

„Baukasten-Beratung“, ist mir da zuerst verächtlich durch den Kopf geschossen, aber ich musste mich bremsen. Als Buchhändlerin höre ich von vielen Seiten bereits den Abgesang auf meinen Beruf und ich bin ein bisschen dünnhäutig geworden. Aber in meiner perfekten Welt würde sich „online“ und „Buchhandel“ besser vertragen und ich hätte eine Buchhandlung, in der man sich online beraten lassen kann und dann noch das Buch in den Briefkasten bestellen kann, das wäre eine prima Sache, dann wären alle glücklich, Buchhändler müssten nicht zum LKW-Fahrer umschulen, Amazon wäre ein kleines Licht und kurz gesagt: Ja, wir hätten natürlich Weltfrieden. Aber zurück zum Thema.

Jetzt kommt mybook des Weges und bietet statt eines Algorithmus also eine Beratung von jemandem der ein Gesicht und einen eigenen Kopf hat. Also keinen Empfehlungsautomaten, sondern einen Buchhändler mit mehr Möglichkeiten? Ich habe mich durch die Fragen geklickt und festgestellt: Die Mehrzahl der Fragen stelle ich den Kunden in einer Buchhandlung auch. Suchst du ein Buch für dich oder jemand anderen? Mann oder Frau? Welches Genre soll es sein?
Ich habe nach Beantwortung der Fragen drei Empfehlungen für neue Kurzgeschichten-Bücher erhalten.

Wassererzählungen

Wassererzählung: Hört sich gut an.

Drei Stühle

Drei Stühle: Das ist der Zonk!

Zehnter Dezember

Zehnter Dezember: Mein Favorit!

 

 

 

 

 

 

 

Das sieht nach einer ganz guten Quote aus: Von drei Empfehlungen, ist eins ganz okay und eins sogar interessant. Wenn ich Kunden drei Bücher empfehle und wenigstens eins davon als interessante Anregung in die engere Auswahl kommt, bin ich schon immer ganz zufrieden. Ein Vorschlag liegt allerdings soweit daneben, dass ich mich frage, ob meine angegebenen Lieblingsautoren und zwei Lieblingsbücher überhaupt beachtet wurden. Kulinarische Geschichten von Kreta? Äähm, nein danke!

Ich schätze, wenn es nach den Betreibern der Seite geht, sollten die, die sich dort beraten lassen auch idealerweise das Buch auf der selben Seite bestellen. Doch es bleibt zu befürchten, dass es mybooks so ergehen wird wie den Buchhandlungen im echten Leben auch: Von der netten Buchhändlerin beraten lassen, nach Hause gehen, woanders bestellen.

Wenn ich ehrlich bin, finde ich die Idee gut und bin gespannt, was man davon noch hören wird. Aber das sage ich natürlich nicht, weil ich eine Buchhändlerin mit Zukunftsängsten bin, die sich eigentlich nur Weltfrieden wünscht.

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Kommentare zu: "Fundsache: Die elektrische Buchhändlerin" (4)

  1. tragikomisch schrieb:

    Lassen sich denn noch viele Kunden im Geschäft beraten? Wenn ich mich mal in eins verirre, weiß ich meistens schon, was ich kaufen will – und frag höchstens nach, wo genau ich’s finde. „Beratung“ ist für mich eher das eigenständige Lesen von Kundenrezensionen.

    Wo wir gerad beim Thema sind: was hältst du als Buchhändlerin von E-Books? Ich nehm nicht an, dass die inzwischen schon mehr gekauft werden als richtige Bücher, denn ich seh einfach immer noch viel mehr Menschen ohne einen E-Book-Reader in der Hand lesen. Was hab ich geschimpft als meine Mutter einen zu Weihnachten bekommen hat! Ich würde mir so ein Gerät nie kaufen, muss aber zugeben, dass die E-Book-Varianten meiner Bücher für die Uni (große, schwere, unhandliche Teile) für’s Tablet unterwegs durchaus Sinn machen.

    • Danke für die guten Fragen! Zur Beratung: Doch, viele Kunden lassen sich noch beraten. (Gottseidank! Zum Regaleeinräumen braucht man keine 3 Jahre Ausbildung 😉 ) Die meisten sind Stammkunden, aber es gibt da unterschiedliche Typen und eben auch die, die sich lieber selbst beraten und in Ruhe allein schauen. Es gibt auch gewisse Genres, bei denen sich dann doch fast jeder beraten lässt. Im Bereich Fachbuch, Lexika und Reiseliteratur zum Beispiel. Richtig Spaß macht mir die Beratung in der Belletristik, wenn man mit den Kunden ganz ausführlich reden kann, was sie sich wünschen. Wenn du mal Zeit hast und ein sympathische/r Buchhändler/in in der Nähe ist, probier es aus. Wenn du Glück hast, kommt ein richtig gutes Gespräch bei rum. 😉

      Zu den E-Books: Du hast recht, im Vergleich zum Print sind die verkauften E-Books überschaubar, doch die Zahlen wachsen stetig. Ich gebe zu, ich bin seit einem Jahr auf der dunklen Seite der Lesegeräte und lese regelmäßig auf meinem E-Reader (Sony). Von etwa zehn Büchern, die ich über die Wochen so kaufe, sind etwa zwei bis drei davon E-Books. Ich kann dir gar nicht sagen, wie ich das entscheide. Aber bei manchen lade ich mir gezielt das E-Book runter und bei manchen muss ich es einfach in einem echten Regal haben. 😉 Ich kenne viele, die sich schon lange kein gedrucktes Fachbuch mehr kaufen. Ich bin da aber noch völlig im Belletristik-Bereich unterwegs. Ich war anfangs total skeptisch, weil ich ein ziemlicher Papier-Fetischist bin. Aber auch weil gute Geräte teuer sind. Der Kindle kam für mich gar nicht in Frage (Das Gerät ist top, aber dafür wird der Nutzer total geknebelt.). Mein Schlüsselerlebnis war ein zweiwöchiger Urlaub. 😉 Und dass man dann leichter Pizza essen oder Zähne putzen kann wenn man liest.

  2. Miss Smilla schrieb:

    Zum Thema zukunftssichere Berufe: LKW-Fahrer ist angesichts selbstfahrender Autos keine besonders gute Alternative. Dann lieber eine engagierte Buchhändlerin mit einem innovativen Konzept!

    • Die Bedrohung lauert überall 😉 Da hast du recht, für tolle Konzepte mit guten Ideen wird immer Platz sein auf dem Buchmarkt.

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