Bücher, Netzwelt und Stimmen in meinem Kopf

Eins vorweg: Ich bin ein sehr seltener Fantasy-Leser. Im Alter zwischen 14 und 18 habe ich eine Zeit lang ausschließlich in fremden Welten gelesen, doch dann hatte ich plötzlich die Nase voll von den ganzen Trilo-, Quadro-, und sonstigen -logien. Magische Wesen kreuzten seitdem nur noch in ausgewählten Fällen meinen Weg. Nachdem mich aber Patrick Rothfuss‘ „Der Name des Windes“ schier weggepustet hatte, habe ich mich mit dem Genre wieder versöhnt.

Jetzt habe ich in einem Rutsch die „Elbenthal-Saga“ hinter mir und bin wieder beeindruckt. Ivo Pala zeigt sich hier als hervorragender Handwerker und füllt die starren Schablonen der Genres – Ein/e Auserwählte/r, die Queste, Gut-gegen-Böse, die Liebe wider jeglicher Vernunft und blutige Schlachten- mit unkonventionellen Elementen, Wortwitz und tief recherchierten Verbindungen zur deutschen Mythologie. Wenn man alle drei Bände hintereinander liest, kann der Leser nicht nur den vollen Spannungsbogen auskosten, sondern auch eine ganz andere Beobachtung machen: Während der erste Band eher als Urban-Fantasy beginnt, führt Pala seine Leser kapitelweise immer tiefer in die fremden Welten, bis man sich auf einmal in epischen Schlachten klassischer High-Fantasy wiederfindet. Während der Schauplatz anfänglich noch vermehrt in Dresden liegt, wo die Elben ihre Stellung mit Handfeuerwaffen, Hubschraubern und modernster Technik verteidigen, verlegt Pala die Handlung immer weiter in eine andere Welt voller mächtiger Zauber und Artefakte. Wie auch die anfangs völlig ahnungslose Hauptheldin Svenya setzt sich für den Leser erst nach und nach das Gesamtbild einer facettenreichen und umfangreichen Fantasiewelt mit Jahrtausende alter Geschichte zusammen.

Die Elbenthal-Saga

Band 1 „Die Hüterin Midgards“ – Band 2 „Der schwarze Prinz“ – Band 3 „Die eisige Göttin“

Die Elbenthal-Saga von Ivo Pala dreht sich um das Schicksal der jungen Svenya aus Dresden, die in der Nacht ihres 17. Geburtstages von einer ganz neuen Welt erfährt. Die elternlose Svenya ist aus dem Heim ausgerissen und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs in Dresden durch. Nach einer folgenschweren Nacht, in der sie zuerst in die Fänge des düsteren Prinzen der Dunkelelben Laurin gerät und gleich darauf von den Lichtelben Hagen und Raik befreit wird, wacht sie in Elbenthal auf – einem geheimen alten Reich unterhalb Dresdens. Dort erfährt sie: Svenya ist ein Schicksal als „Hüterin Midgards“ vorbestimmt. Durch einen Fluch ist es ihr verwehrt, sich weder an ihre wahre Identität zu erinnern, noch fragen zu dürfen, wer sie ist und woher sie kommt. Alles was sie erfährt: Sie ist die Anführerin der Lichtelben, die die Menschen im Verborgenen seit Jahrhunderten vor der Bedrohung aus anderen Welten bewahren.

Die Reihe

Im ersten Band „Die Hüterin Midgards“ wird Svenya ihr Schicksal enthüllt, das sie nur widerstrebend annimmt. Sie wird hart trainiert, doch ihr fällt es schwer, sich in ihre bedeutungsvolle Rolle einzufügen. Als sie versucht zu fliehen, gerät sie in die Hände von Laurin, der sie benutzen will, um ein Tor in seine Heimatwelt zu erschaffen und mit Verstärkung die Lichtelben und die Menschenwelt zu unterwefen.

In Band zwei „Der schwarze Prinz“ erhält die Geschichte, die bis hier mit rasanten Verfolgungsjagden und erbitterten Zweikämpfen gespickt ist, mehr Futter. Hier erfährt die Hauptheldin und der Leser mehr über die Geschichte der Elben, die sich stellenweise mit der germanischen Götterwelt und den Nibelungen kreuzt. Svenya muss verhindern, dass mit der Macht legendärer Schwerter ein neues Portal geöffnet wird und es kommt zu einer großen Schlacht. Das Ende hält einen fiesen Cliffhanger bereit.

Band drei „Die eisige Göttin“ ist das kämpferische Finale der Reihe. Hier rollen Köpfe, fließt Blut, aber auch die einzelnen Handlungsstränge werden wieder zusammengeführt. Die Hintergrundgeschichte wird noch einmal spannend und Geheimnisse werden aufgedeckt.

Pluspunkte

  • Die Verbindung zur nordischen Götterwelt und deutschen Mythologie fügt sich sehr gut ein und gibt dem ganzen mehr Tiefe. Der Autor hat hier intensive Recherchearbeit investiert und auch eine eigene elbische Sprache entwickelt.
  • Auch wenn mir die Hauptheldin anfänglich wenig sympathisch war, musste ich ihr von Anfang an eine starke moralische Integrität zugestehen. In der ganzen Reihe wird viel gekämpft und getötet, doch Svenya widerspricht jeglicher unnötiger Gewalt. Selbst ihren ärgsten Feinden gewährt sie Gnade und verabscheut jegliche Art von Mord, während ihre Mitstreiter aus Rache töten, oder diesen mit der Vergeltung schlechter Taten rechtfertigen.
  • Die Kampfszenen sind hervorragend durchchoreografiert. Beim Lesen läuft ein wahrer Actionfilm im Kopf ab und auch die strategischen Schachzüge der großen Schlachten dürften Liebhaber ausgefeilter Kampfkunst begeistern.

Wermutstropfen

  •  Die Andeutungen von Missbrauch im Heim im ersten Band der Reihe: Es ist zwar ein wichtiges Thema und einer der wenigen Anhaltspunkte, die der Hauptheldin einen Hauch von Vorgeschichte verleihen, trotzdem hat es sich für mich beim Lesen nicht optimal eingefügt, weil sich hier eine zu große und schwierige Thematik auftut.

Mein Fazit

Es lohnt sich! Der Leser darf sich über eine sorgfältig ausgestaltete Fantasy-Welt und eine Geschichte freuen, die sich steigert. Ivo Pala glänzt als überzeugender Erzähler mit viel Ideenreichtum, liebevollen Details und Sinn für Humor. Die wechselvolle Geschichte treibt regelmäßig den Puls hoch und macht Spaß.

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