Bücher, Netzwelt und Stimmen in meinem Kopf

Mit seiner Rede auf der re:publica 2014 hat Sascha Lobo deutliche Worte gefunden. „Ihr habt versagt.“ Das sitzt.

Der Grund für die harten Worte: Unsere Passivität. Er brach eine Lanze für Plattformen wie Netzpolitik, oder die Digitale Gesellschaft und alle anderen Aktivisten, die sich in der Politik für Freiheit und Sicherheit im Internet einsetzen. Verglichen mit der Zahl der User, die davon profitieren, ist die Unterstützung und Aufmerksamkeit, die sie dafür erhalten beschämend gering. Die Wichtigkeit ihrer Arbeit wird unterschätzt: „Weil die meisten von euch offenbar glauben, dass wenn sie eine Petition twittern, dass das dann irgendjemanden im EU Parlament ernsthaft interessiert.“ Beifall.
Ich muss an die ganzen Petitionen denken, die regelmäßg auf Facebook auftauchen. Mit einem Klick wird den Unterzeichnenden das Gefühl gegeben, viel für den Triumph der Demokratie getan zu haben. Mittlerweile gibt es für jede Kleinigkeit, gegen nervige Moderatoren und jeden Aufreger eine eigene Petition. Richtig ernst kann ich das schon nicht mehr nehmen, wenn ich ehrlich bin. Stattdessen klicke ich gar nicht mehr  und beschränke mich auf… naja, Abwarten und Hinnehmen. „Aber in der großen Masse tut ihr so, als sei euch Netzpolitik wichtig, aber ihr handelt nicht danach. Ihr twittert das, aber ihr überweist nicht.“ Betretenes Schweigen.

Kurzer Flashback: Vor einiger Zeit habe ich einen Beitrag zum Heartbleed-Bug gepostet und darüber, wie sehr Open Source in der Kritik steht. Dabei ist das Problem genau dasselbe. Wenn alle, die von der Software profitieren, auch einen Beitrag für deren Entwicklung in Form von Spenden leisten würden anstatt die Schuld für das Versagen den wenigen Freiwilligen und Engagierten in die Schuhe zu schieben, hätten wir weniger Probleme.

Auch Lobo griff den Heartbleed-Bug auf, der von Geheimdiensten lange Zeit bequem zur Spionage genutzt werden konnte. Er machte klar: Unsere Freiheit steht auf dem Spiel. Überwachung, Kontrolle und ein Internet, in dem wir uns bald viel weniger frei bewegen können, sind der Preis unserer Passivität. Lobos Fazit: Wir müssen unsere Einstellung überdenken. Statt das Internet zu konsumieren, müssen wir uns aktiv um die digitale Sphäre kümmern. Überwachung und Kontrolle darf nicht zur Normalität werden.

Der Startschuss zur Selbstkasteiung ist gefallen. Wir können jetzt alle auf unseren Blogs und auf Facebook Besserung geloben. Ich bin gespannt, ob sein Weckruf an uns nachhaltig war, oder ob die Kurzlebigkeit der Trends im Internet den Impuls wegspült.
Wenn das Video von seiner Rede in etwa so viral wird wie der Harlem Shake, mache ich mir keine Sorgen.

 

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