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madaddam

Band 1 „Oryx und Crake“ – Band 2 „Das Jahr der Flut“ – Band 3 „Die Geschichte von Zeb“

Die kanadische Autorin Margaret Atwood erzählt in ihrer MaddAddam Trilogie von einer Zukunft in der staatliche Regierungen durch Pharma-Konzerne abgelöst wurden. Deren Mitarbeiter leben abgeriegelt und keimfrei in großen konzerneigenen Komplexen, während die Menschen draußen im „Plebsland“ ums Überleben kämpfen. Neuartige Krankheiten, Naturkatastrophen und Rohstoffknappheit bestimmen den Alltag außerhalb der schützenden Mauern. Das Szenario wird ergänzt durch die Vorstellung, dass Wissenschaftler die menschliche DNA vollkommen entschlüsselt haben und Pflanzen und Tiere beliebig manipulieren und kreuzen können.

Diese Trilogie ist jedoch alles andere als eine dreibändige Gardinenpredigt darüber, wie wir unseren Planeten behandeln. Atwood erzählt eine spannende Geschichte und zeigt die Ereignisse aus unterschiedlichen Perspektiven, sodass sich am Ende ein vielschichtiges und keineswegs ausschließlich düsteres Zukunftsbild zeichnet. Galgenhumor und Wahnsinn sind ein ständiger Begleiter der Geschichte und machen alle drei Bände kurzweilig und lesenswert. Schließlich stellt sich – wie so oft – die Frage, was die menschliche Natur ausmacht. Neben Zerstörungswut und Eigennutz ist es am Ende auch immer die Fähigkeit zu Hoffen.

Die Reihe

Im ersten Band „Oryx und Crake“ begegnet der Leser Hauptfigur Jimmy, der nach einer Pandemie scheinbar allein mit einer neuen Menschen-Spezies aus dem Labor überlebt hat. Er erzählt in Rückblenden von seinem Leben in der Konzernwelt und wie er dorthin gekommen ist, wo er ist.
Im zweiten Band „Das Jahr der Flut“ werden Nebenfiguren aus dem ersten Band zu Hauptfiguren. Dabei konzentriert sich die Handlung auf die Geschehnisse im Plebsland. Hier hat sich eine Gruppe von christlichen Ökoaktivisten unter dem Namen „Gottesgärtner“ zusammengetan und begonnen, eine eigene Parallel-Gesellschaft aufzubauen. Unter ihnen Toby, die schnell merkt, dass die Gottesgärtner mehr und mehr zum Sammelbecken für Rebellen werden.
Der dritte Band „Die Geschichte von Zeb“ setzt am Endpunkt der beiden vorhergehenden Bände ein: Es sind nur noch wenige Menschen übrig, die sich zusammentun und versuchen, sich eine neue Existenz aufzubauen. Unter ihnen die neue Menschen-Spezies, die Toby nach den Eigenheiten der menschlichen Zivilisation befragt. Angefangen bei Fragen wie „Wozu braucht man Schuhe?“ bis hin zu fast philosophischen Fragen wie „Was ist Dankbarkeit?“ muss Toby den „Crakern“ alles beibringen, wovor sie abgeschirmt waren. So erzählt sie ihnen auch die Geschichte von Mad Adam: Zeb. Er ist fast von Anfang an bei den Gottesgärtnern gewesen, die von seinem Bruder Adam geführt werden. Nach dem ersten Band in der Komplexwelt und dem zweiten Band bei den Ökoaktivisten ist der dritte Band etwas stärker auf die Technik und die Überwachung durch die Konzerne fokussiert.

Mein Fazit

Ich habe die drei Bücher hintereinander in einem Monat gelesen. Besonders stark waren die ersten beiden Bände, die sich durch die Überschneidung der Erzählung sehr gut ergänzt haben. Band drei war noch einmal eine Zusammenführung und abschließende Betrachtung, angefangen bei Stunde Null. Hier habe ich ein paar Seiten gebraucht, um reinzukommen. Insgesamt lohnen sich alle drei Bände für Fans von Zukunftsszenarien mit Hintergrund. Die korrupten Pharma-Riesen, die kurzlebige Konsumgesellschaft und der wissenschaftliche Background zum Thema Genmanipulation sind Analogien zur heutigen Zeit und eine treffende Kritik.
Ich warne davor, die MadAddam Trilogie mit den zahllosen Dystopien über einen Kamm zu scheren, die im Moment den Markt überschwemmen. Der erste Band erschien bereits 2003 und Atwood bedient hier kein Genre-Schema. Hier gibt es keine Auserwählte, keine romantische Liebe in Zeiten von Unterdrückung und keine rasanten Verfolgungsjagden. Hier ist vielmehr ein Survival-Handbuch mit einem Gesellschaftsszenario gekreuzt und mit gleichermaßen witzigen und tragischen Charakteren besetzt worden. Einige Namen der Figuren wurden nach Spenden von Stiftungen vergeben. Ein besonderes Highlight: Die neue Menschen-Spezies: Die „Craker“.

Kurz gefasst

Klug, spannend, facettenreich und – lesenswert!

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Kommentare zu: "Rezension: MaddAddam Trilogie" (2)

  1. Miss Smilla schrieb:

    Jetzt weiß ich endlich, was ich als nächstes lesen werde. Danke!

  2. […] Die “MaddAddam“-Trilogie von Margaret Atwood. Die wurde mir von Mama007 wärmsten empfohlen, also ein […]

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